ГЛОССАРИЙ


Ablass, der: in der katholischen Kirche eine Tat, um Gottes Gnade zu erlangen nach einer begangenen Sünde. Das kann die Beichte sein, eine Wallfahrt oder ein Kirchenbesuch. Die Kirche konnte in einem Brief bestätigen, dass dem Gläubigen der Ablass gewährt worden war.

Ablassbrief, der: (lat. indulgentia) die Urkunde über den erteilten Ablass, d.h. ein Nachlass oder eine Reduzierung der Strafe für begangene Sünden.

Abt, der: ist Vorsteher eines Klosters. Er wird von den Mönchen des Klosters, die als Geistliche stimmberechtigt sind, meist auf Lebenszeit gewählt und vom Bischof oder Papst im Amt bestätigt.

Achse Berlin-Rom, die: Bezeichnung für die enge außenpolitische Zusammenarbeit zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich seit der Absprache Hitlers und Mussolinis am 25. Oktober 1936.

Agenda 2010, die: die bisher umfassendste Reform der deutschen Sozial- und Wirtschaftsordnung an. Deutschland befand sich zu dieser Zeit in einer Strukturkrise, die durch hohe Arbeitslosigkeit, Wachstumsschwäche und finanziell überlastete Sozialsysteme gekennzeichnet war. Das Land galt international als der „schwache Mann Europas". Die Agenda 2010 war die Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und der demographischen Entwicklung durch eine alternde Bevölkerung. Mit den Reformen wurde der Arbeitsmarkt flexibilisiert, die Sozialsysteme für die Beitragszahler bezahlbar gehalten und die Steuern für Arbeitnehmer und Unternehmen gesenkt. Zugleich erhöhten sich die Zukunftsinvestitionen in Forschung, Bildung und Kinderbetreuung. Mit der Agenda 2010 setzte sich die Auffassung eines aktivierenden Sozialstaates durch, der mehr Eigenverantwortung vom Einzelnen einfordert.

Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein: So hieß die 1863 von F. Lassalle gegründete erste politische Arbeiterpartei in Deutschland, die später in der marxistischen Arbeiterbewegung aufging.

Allianz für Deutschland, die: ein Wahlbündnis, das sich am 5. Februar 1990 zu den ersten und letzten freien Wahlen zur Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik am 18. März 1990 zusammenschloss. Sie bestand aus der Christlich-Demokratischen Union (CDU-Ost), der Deutschen Sozialen Union (DSU) und dem Demokratischen Aufbruch (DA).

Alliierte (frz. allié 'Verbündeter'): Sammelbezeichnung für die 1914 gegen die Mittelmächte (das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und ihre Verbündeten Türkei, Bulgarien) verbündete Staaten Großbritannien, Frankreich, Russland.

Alliierte Kontrollrat, der: Organ der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, durch das die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich die oberste Regierungsgewalt in Deutschland ausübten. Sitz: Berlin. Der Alliierte Kontrollrat bestand aus den Oberbefehlshabern der vier Besatzungsmächte und erließ Gesetze, Befehle, Direktiven für alle Besatzungszonen in Deutschland.

Allmende, die: (mittelhochdeutsch = das allen Gemeine): nach germanischem Recht waren Wald, Weide und Gewässer gemeinsamer Besitz aller Dorfbewohner.

„Alter Fritz": Die Bezeichnung wird gewöhnlich auf Friedrich II. von Preußen (1712-1786) bezogen.

Annexion, die: üblicher Begriff für die meist gewaltsame, widerrechtliche oder nur formalrechtliche Eingliederung fremden Gebietes in einen Staat.

Anschluss Österreichs: Die Bestrebungen zur staatlichen Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich. 1938 erzwang Hitler den Anschluss durch eine militärische Aktion unter Zustimmung großer Teile der österreichischen Bevölkerung. Der Anschluss wurde von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges geduldet. Am 14. März 1938 trat das «Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich» in Kraft. Die nationalsozialistische Propaganda verkündete der Welt: Der „Führer" habe die „Ostmark heim ins Reich geholt!" Das „Großdeutsche Reich", das viele erträumt hatten, war nun Wirklichkeit geworden.

Anti-Hitler-Koalition, die: die 1941-1945 verbündeten Gegner (Großbritannien, UdSSR, USA) des nationalsozialistischen Deutschland.

APO (Außerparlamentarische Opposition): 1966 in der Bundesrepublik Deutschland nach der Bildung der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD entstandene Gruppen von Studenten (Studentenbewegung) und Jugendlichen, die sich im Streit um Notstandsgesetze, Hochschulreform und Pressekonzentration nicht durch die Parteien des Bundestages vertreten sahen. Unter Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) entwickelte sich die APO zu einer antiautoritären Bewegung, die durch provokative, oft gewaltsame Methoden gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen suchte (Höhepunkt: 1968, deshalb auch „Achtundsechziger").

Arbeiteraufstand im Jahre 1953, der = Siebzehnter Juni 1953: Volkserhebung in der DDR. Am 17. Juni 1953 streikten und demonstrierten die Arbeiter auf den Baustellen der Stalinallee in Berlin (Ost) gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen für Industriebetriebe und die Bauwirtschaft um generell 10%. Daraus entwickelte sich eine Volkserhebung in der gesamten DDR. Rund 10% der Arbeitnehmer beteiligten sich am Aufstand. Die ursprünglich wirtschaftlichen Forderungen entwickelten sich schnell zu weitgehenden politischen Forderungen wie dem Rücktritt der Regierung, der Ablösung Ulbrichts, freien Wahlen. Der Aufstand wurde von den sowjetischen Truppen niedergeschlagen.

Atomausstieg, der: Gerhard Schröder vereinbarte im Jahr 2000 mit den deutschen Energieversorgungsunternehmen einen Konsens für einen Ausstieg aus der Atomkraft. Die Wiederaufarbeitung der Kernbrennstäbe wurde beendet und die Entsorgung radioaktiver Abfälle auf standortnahe Zwischen- und Endlager beschränkt. Mit dem Atomausstieg vollzog sich auch eine Wende in der Energiepolitik, der mit dem Begriff der „Nachhaltigkeit" überschrieben war. Dazu zählte vor allem die Förderung der Erneuerbaren Energien.

Aufgeklärter Absolutismus: in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Versuch der engen Verknüpfung von absoluter Fürstenherrschaft mit den Ideen der Aufklärung (z.B. Friedrich II. der Große, Kaiser Joseph II.). In dieser Zeit wurden besonders radikale Reformen durchgeführt, um absolute Monarchie den entwickelten Kapitalverhältnissen anzupassen.

Augsburger Religionsfrieden, der: 1555 wurde auf dem Reichstag von Augsburg beschlossen. Die Reichsstände, Fürsten und Reichsstädte waren in der Wahl ihres Bekenntnisses -- lutherisch oder katholisch -- frei, aber die Untertanen der Fürsten mussten das Bekenntnis ihres Landesherrn annehmen oder auswandern nach dem Prinzip „cuius regio, eius religio". Nur in den Reichsstädten konnten beide Bekenntnisse nebeneinander bestehen. Mit dem Augsburger Religionsfrieden war die religiöse Spaltung in Deutschland besiegelt.

Ballungszentrum, das: nennt man die großen wirtschaftlich bedingten städtischen Gebilde, die seit der Industriellen Revolution entstanden.

Bann, der = Exkommunikation, die: die schwerste Strafe der mittelalterlichen Kirche. Der Exkommunizierte durfte an keiner gottesdienstlichen Handlung mehr teilnehmen, musste von allen Christen gemieden werden und war damit aus der menschlichen Gemeinschaft ausgestoßen.

Barbar, der: für die Griechen und Römer der Antike ein Angehöriger eines fremden Volkes, der mit der einheimischen Sprache und Gesittung nicht vertraut war und darum als roh und ungebildet galt.

Barock, der (das) (aus frz. baroque, zurückgehend auf portugiesisch barroco, eigentlich 'unregelmäßige', 'schiefe' Perle): durch kraftvolle Linien, Formenreichtum und üppige Verzierungen gekennzeichneter Stil in der europäischen Kunst, Dichtung und Musik von etwa 1600 bis 1750.

Bauernkrieg, der: die große Erhebung der süd- und mitteldeutschen Bauern 1524-1525. Sie forderten Einschränkung ihrer Frondienste und Lasten, vielfach auch eine Neuordnung des Reichs. Zu seinen Führern gehörten T. Müntzer, Ritter Florian Geyer und Götz v. Berlichingen. Die Fürsten warfen den Aufstand nieder.

bedingungslose Kapitulation: die offizielle Erklärung, dass das nationalsozialistische Deutschland im Krieg zu kämpfen aufhörte und sich geschlagen gab; unterzeichnet am 7. Mai 1945 in Reims und am 8./9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst; endete den Zweiten Weltkrieg in Europa.

Bekennende Kirche, die: seit 1934 Zusammenschluss protestantischer Pfarrer und Laien gegen den Machtanspruch des nationalsozialistischen Staates und gegen die Verfälschung des Christentums durch die nationalsozialistischen „Deutschen Christen". Die Widerstandsbewegung war gegen die Unterdrückung der Kirche durch den nationalsozialistischen Staat.

Berliner Blockade, die: von der Sowjetunion verhängte Sperrung der Land- und Wasserwege für den Personen- und Güterverkehr zwischen Berlin (West) und Westdeutschland vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949. Die Versorgung von Berlin (West) wurde durch die von den USA und Großbritannien errichtete Luftbrücke sichergestellt.

Berliner Mauer, die: das Sperrsystem, das seit dem 13. August 1961 die Sektorengrenze zwischen Berlin (Ost) und Berlin (West) abriegelte; sollte den damals steigenden Flüchtlingsstrom stoppen. Die Mauer fiel im November 1989.

Berliner Vertrag, der: 24. April 1926 unterzeichnet; über die Neutralität und Freundschaft zwischen Deutschland und der Sowjetunion.

Biedermeier, das: die Form des bürgerlichen Lebens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich besonders in Deutschland ausbildete. Von der Politik enttäuscht, zog sich der Bürger in sein Privatleben zurück. Ausschließlich dort suchte er die Erfüllung seines Lebens. Der bürgerlich bestimmte Biedermeierstil äußerte sich außer in der Kleidung vor allem in der Wohn- und Möbelkunst mit ihrer schlichten Behaglichkeit, ihren klaren, leicht geschwungenen Formen und ihrer Gediegenheit.

Bischof, der (gr. episkopos 'Aufseher'): in den christlichen Kirchen verwaltet der Bischof als oberster Priester ein bestimmtes Gebiet, seine Diözese. In dieser Form besteht das Bischofsamt seit dem 4. Jahrhundert. Ursprünglich wurde der Bischof in der katholischen Kirche von den Geistlichen gewählt, später meist vom Papst ernannt. Mehrere Bischöfe unterstehen einem Erzbischof. Nach katholischer Lehre ist der Bischof Nachfolger der Apostel.

Bizone, die: der Zusammenschluss in den Jahren 1946-1949 der amerikanischen und britischen Besatzungszone in Deutschland.

Blitzkrieg, der: im Zweiten Weltkrieg entstandene Bezeichnung für die jeweils innerhalb weniger Wochen «blitzartig» entschiedenen Feldzüge in Polen, Norwegen und Dänemark, im Westen und auf dem Balkan sowie für die Operationen in den ersten Monaten des Russlandfeldzuges.

Bundesrat, der: 1) Vertretung der einzelstaatlichen Regierungen und oberstes Reichsorgan sowie Träger der Souveränität im Deutschen Reich 1871 bis 1918; 2) das Bundesorgan der BRD, durch das die Länder bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes mitwirken.

Bundestag, der: 1) Bundesversammlung im Deutschen Bund -- Gesandtenkongress der Gliedstaaten, tagte 1815 bis 1866 in Frankfurt am Main unter österreichischem Vorsitz; 2) Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland (Parlament), gewählt für 4 Jahre; oberstes Bundesorgan.

Bündnissystem von Bismarck, das: die Außenpolitik von Bismarck zielte auf die Isolierung Frankreichs, auf die Annäherung an Österreich-Ungarn und auf gute Beziehungen zu Russland. Ausdruck dafür war ein immer kunstvoller gewobenes Bündnissystem, das von dem Zweibund mit Österreich-Ungarn (1879) ausging und über die Hauptstationen des Dreibundes (1882) und des Mittelmeerabkommens (1887) zum Rückversicherungsvertrag (1887) mit Russland führte.

bürgerliche Koalition, die: bestand aus CDU/CSU, FDP und Deutscher Partei; erreichte bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 eine knappe Mehrheit.

Burschenschaft, die: Die Professoren und Studenten der Universität Jena gründeten die „Deutsche Burschenschaft". Unter dem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland" strebten die Burschenschaftler einen nationalen Einheitsstaat an und standen daher in scharfem Gegensatz zur Restauration.

Dawesplan, der [ˈdɔz-]: am 16. August 1924 in London abgeschlossener Vertrag über die deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg. Er sah Zahlungen von jährlich 2,5 Mrd. Goldmark vor. Verbunden mit der Annahme des Dawesplans war eine internationale Anleihe (800 Mio. Goldmark) zur Überbrückung und zur Stabilisierung der deutschen Währung. 1929/30 wurde er durch den Youngplan ersetzt.

deutsch [wört. ‘volkstümlich’ vom althochdeutschen Wort diot ‘Volk’ abgeleitet]: ursprünglich Sammelbezeichnung für alle germanischen Stammessprachen, die innerhalb des Frankenreichs gesprochen wurden. Seit etwa 900 bis 1000 Sammelbezeichnung für alle Menschen, die solche Sprachen sprechen: Franken, Alemannen, Bayern und (Nieder)Sachsen.

Deutsch-Dänischer Krieg von 1864: der Krieg zwischen Dänemark, Preußen und Österreich, in dem Dänemark die Herzogtümer Schleswig, Holstein und das seit 1815 in seinem Besitz befindliche Lauenburg an Österreich und Preußen verlor.

Deutsche Arbeitsfront, die (Abkürzung DAF): 1933-1945 ein nationalsozialistischer Verband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie trat an die Stelle der aufgelösten Gewerkschaften und unterstand R. Ley. DAF brachte alle Arbeiter unter die Kontrolle des Staates und verhinderte die Forderungen der Arbeitnehmer nach Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage. DAF war auch Träger der nationalsozialistischen Gemeinschaft „Kraft durch Freude" (KdF), die sich mit der Gestaltung von Urlaub und Reisen beschäftigte.

Deutsche Hanse: 1358 vereinigten sich die einzelnen Genossenschaften der norddeutschen Kaufleute zur Deutschen Hanse. Das war ein loser Städtebund ohne eigentliche Verfassung. Sie zählte im 14. Jahrhundert etwa 200 Mitgliedstädte. Die führende Stadt war Lübeck. Unter der Führung Lübecks erlangte sie die Seeherrschaft in der Ostsee und das wirtschaftlich-politische Übergewicht in Nordeuropa, Im 16. Jahrhundert verlor die Hanse ihre Bedeutung.

Deutscher Bund (1815-1866): entstand auf dem Wiener Kongress; ein lose gefügter Staatenbund, dem neben vier Reichstädten 35 souveräne Fürsten angehörten. Die Gesandten der Fürsten trafen sich zu ständigen Beratungen im Bundestag unter dem Vorsitz Österreichs in Frankfurt am Main.

Deutscher Dualismus: so hieß der Gegensatz der beiden deutschen Großmächte Preußen und Österreich, der im 18. Und 19. Jahrhundert die deutsche Geschichte beeinflusste.

Deutscher Krieg von 1866: der Krieg zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland; Veranlassung: Uneinigkeit über die seit 1864 gemeinsamen Herzogtümer Schleswig und Holstein. Österreich erlitt eine Niederlag. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst und der Norddeutsche Bund ohne Österreich gegründet.

Deutscher Orden: einer der in den Kreuzzügen entstandenen geistlichen Ritterorden, 1190/98 in Palästina gegründet. Die Tracht war weißer Mantel mit schwarzem Kreuz. Er begann 1226 die Christianisierung der Prußen, deren Gebiet bis 1283 erobert war. Der Sitz der Hochmeister war seit 1309 die Marienburg. Seit 1237 herrschte er auch über Livland und Kurland; ferner gewann er 1308/09 Pommerellen (Westpreußen) mit Danzig und 1346 Estland. Im Kampf gegen Polen-Litauen wurde der Deutsche Orden 1410 bei Tannenberg besiegt.

Deutscher Zollverein: 1834 unter Führung Preußens gegründet, dem nach und nach die meisten deutschen Staaten beitraten. Der so entstandene einheitliche deutsche Wirtschaftsraum ohne Österreich wies der 1871 vollgezogenen politischen Einigung unter preußischer Führung den Weg.

Deutsch-Französischer Krieg von 1870/71: Krieg zwischen Preußen und Frankreich. Die süddeutschen Staaten traten auf die Seite Preußens. Am 26. Februar 1871 wurde der Vorfriede von Versailles geschlossen, am 10. Mai der Frankfurter Friede. Das Elsass und Teile Lothringens kamen an Deutschland. Im Laufe des Krieges vollzog sich die Einigung Deutschlands „durch Blut und Eisen".

deutsch-französische Vertrag, der (Elysee-Vertrag): abgeschlossen am 22. Januar 1963 zwischen Bundeskanzler K. Adenauer und Präsident C. de Gaulle im Elysee-Palast. Er sollte als Ausdruck der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg eine dauerhafte Zusammenarbeit auf den Gebieten der Außen-, Verteidigungs-, Wirtschafts- und Kultur-, besonders Schul- und Jugendpolitik sicherstellen.

Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffspakt (Hitler-Stalin-Pakt, auch Molotow-Ribbentrop-Pakt): am 23. August 1939 in Moskau für zehn Jahre abgeschlossener und sofort in Kraft gesetzter Vertrag; enthielt die Verpflichtung zu gegenseitiger Neutralität bei Auseinandersetzungen mit einem Dritten. Der Vertag wurde von den Außenministern J. von Ribbentrop und W.M. Molotow unterzeichnet.

„die Stadtluft macht frei": es handelt sich um einen Rechtsgrundsatz des Mittelalters. Er bezog sich auf vom Land in die Stadt abgewanderte Bauern, die sich als Unfreie auf diese Weise ihren Grundherren entzogen. Ihre Leibeigenschaft wurde hinfällig, wenn sie ein Jahr lang in der Stadt gelebt hatten, ohne dass sie von ihrem Grundherrn zurückgeholt wurden. Sie wurden damit Freie.

Dolchstoßlegende, die: die Behauptung, die deutsche Niederklage im ersten Weltkrieg sei nicht aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen erfolgt, sondern allein Schuld der deutschen demokratischen Politiker und der revolutionären Unruhen. Die ehemaligen Generäle von Hindenburg und Ludendorff waren an der Verschleierung der Niederlage interessiert und fanden viele Anhänger für die Darstellung, dass das deutsche Heer den Krieg nur verloren habe, da ihm von den „Novemberverbrechern" in der Heimat der Dolch in den Rücken gestoßen worden sei. Die Dolchstoßlegende entwickelte sich schon 1919 zur Kampfparole der politischen Rechten.

Drang nach Osten: Expansion (Heidenmission) nach Osten gegen die slawischen Nachbarn; Christianisierung.

Dreikaiserabkommen, das: wurde am 22. Oktober 1873 zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland mit dem Ziel der Neutralität bei Angriff einer 4. Macht abgeschlossen.

Dreiklassenwahlrecht, das: nach diesem Wahlrecht wurde in Preußen das Abgeordnetenhaus in den Jahren 1849-1918 gewählt. Die Bevölkerung war in drei Klassen eingeteilt, von denen jede ein Drittel der Steuern aufbrachte und ein Drittel der Abgeordneten wählte. 1893 zählten zur ersten Klasse 4%, zur zweiten 14%, zur dritten 82% der Wähler. Die Wahl war sehr ungleich.

Dreißigjähriger Krieg: 1618-1648, europäischer Religions- und Staatenkonflikt, der aus dem konfessionellen Gegensatz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dem Gegensatz zwischen Habsburgermonarchie und Ständen entstand und auf deutschen Boden ausgetragen wurde.

Dritter Stand: zur Zeit des Absolutismus die Mehrzahl der Bevölkerung: Bauern, Kleinbürger, Großbürger. Vor allem die Bauern litten unter großen Lasten: Verbrauchssteuern, Kirchenzehnt, hohe Abgaben an den Grundherrn und den Staat.

Drittes Reich: Bezeichnung für das Deutsche Reich zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in den Jahren 1933-1945. Dabei wurde als Erstes Reich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (962-1806), als Zweites Reich der von Bismarck geschaffene Staat (1871-1918) gezählt.

Einheitsliste, die: eine Wahlliste, auf der Kandidaten einer einzigen Partei in einem Wahlvorschlag zusammengefasst werden.

Einigung Deutschlands durch «Blut und Eisen», die: die Formel ist durch Bismarck populär geworden, der die beiden Begriffe als Metapher für Krieg und Gewalt in Zusammenhang mit der Durchsetzung politischer Ziele verwendete. Darunter versteht man den Beitritt zum Norddeutschen Bund einiger süddeutscher Staaten als Ergebnis des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71, der die Einigung Deutschlands unter Preußen beendete.

Endlösung der Judenfrage: nationalsozialistische Umschreibung für die Ermordung der Juden, die auf der Wannseekonferenz 1942 organisiert wurde. Diese Aktion (1942-1945) markierte den Höhepunkt des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden (Holocaust).

Еntartete Kunst: diffamierende Bezeichnung der Nationalsozialisten für Strömungen der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts. Als Entartete Kunst wurden vom Nationalsozialismus alle Kunstwerke diffamiert, die dem kleinbürgerlichen Geschmack der Machthaber nicht entsprachen, von der Propaganda nicht verwertet werden konnten oder von jüdischen Künstlern geschaffen worden waren. Betroffene Künstler (E. Barlach, O. Dix, P. Klee, E. Nolde, M. Chagall) erhielten Ausstellungs-, z.T. Arbeitsverbot, viele emigrierten. Ihre Werke wurden aus den Museen entfernt. Ein Teil der Werke wurde öffentlich verbrannt, andere 1938 in Luzern versteigert.

Entnazifizierung, die: Das Vorgehen der Besatzungsmächte nach 1945, um die ehemaligen Nationalsozialisten aus ihren staatlichen, politischen und wirtschaftlichen Stellungen zu entfernen und zur Verantwortung zu ziehen.

Erfüllungspolitik, die: die Erfüllung der finanziellen Leistungen und Lieferungen a conto der Reparationen nach dem Versailler Vertag 1919; sie wurde von der Regierung K.J. Wirth vom 10. Mai 1921 bis 14. November 1922 durchgeführt.

Ermächtigungsgesetz, das (vom 23. März 1933): das Gesetz, das die Regierung ermächtigt, Verordnungen mit Gesetzeskraft ohne Beteiligung des Parlaments zu erlassen. Das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Staat" (Ermächtigungsgesetz) war auf vier Jahre befristet, bis 1945 aber immer wieder verlängert.

Erster Weltkrieg (1914-1918). Über vier Jahre dauerte der Erste Weltkrieg, in dem etwa 17 Millionen Menschen starben -- davon 10 Millionen Soldaten und 7 Millionen Zivilisten. Weil in diesem ersten „modernen" Krieg verschiedene neuartige Waffen zum Einsatz kamen, zeichneten sich die Kämpfe an der Front durch eine bis dahin nicht gekannte Brutalität aus.

Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) = Montanunion: durch den Pariser Vertrag vom 18. April 1951 (in Kraft seit 23. Juli 1952) zwischen Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden gegründete supranationale Organisation zur Errichtung eines gemeinsamen Marktes für Kohle und Stahl. Die EGKS geht auf die Initiative des französischen Außenministers R. Schuman zurück («Schuman-Plan») und bildet den Anfang der europäischen Integration nach 1945.

Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die (EWG): die durch den Vertrag von Rom (Römische Verträge), unterzeichnet am 25. März 1957, zwischen Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden begründete überstaatliche Gemeinschaft zum Zweck der wirtschaftlichen Integration; Sitz: Brüssel und Luxemburg.

Evangelische, der / die: seit der Reformation werden alle genannt, deren Bekenntnis allein von den Evangelien bestimmt wird, nicht auch von der katholischen Überlieferung.

Frankenreich, das: der frühfeudalische Staat, der Ende des 5. Jahrhunderts auf dem Teil des Territoriums des ehemaligen Römischen Reiches entstanden war; durch die Eroberungen von Karl dem Großen umfasste sein Territorium fast das ganze West- und Mitteleuropa; hier regierten die Dynastien von Merowinger und Karolinger. Dem Vertrag von Verdun (843) nach wurde es unter drei Enkeln von Karl dem Großen geteilt.

Frankfurter Nationalversammlung, die: verfassunggebendes gesamtdeutsches Parlament von 1848/49, das in Frankfurt am Main in der Paulskirche tagte; nach der Märzrevolution 1848 war aus freien, allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgegangen. Besonders aktiv war das liberale Bürgertum. Die Frankfurter Nationalversammlung wollte eine gesamtdeutsche Verfassung entwerfen und einen deutschen Nationalstaat schaffen, der die preußischen und österreichischen Sonderinteressen bei Erhaltung der staatlichen Vielfalt Deutschlands aufheben sollte.

Freie, der: so wurden im Altertum und Mittelalter Menschen genannt, die nicht einem Herrn oder Gemeinwesen gehörten. Sie besaßen das Recht der Freizügigkeit, der freien Wahl des Ehepartners und das uneingeschränkte Verfügungsrecht über ihre Güter. Die Freiheit konnte man verlieren aufgrund von Verbrechen, Selbstverkauf, hohen Schulden oder Niederlage im Kampf.

Freikorps, das [-ko:r]: ein aus Freiwilligen bestehender Kampfverband, der nicht zur regulären Truppe eines Staates gehört, aber an Kampfhandlungen mit Billigung oder Duldung durch die Regierung teilnimmt. 1919 und in den folgenden Jahren stützte sich die deutsche Reichregierung mehrfach auf Freikorps zum Schutze der Regierung und zur Niederwerfung von revolutionären Unruhen und kommunistischen Aufständen, da sie nicht über genügend reguläre regierungstreue Truppen verfügte. Die Freikorps in der Weimarer Republik bestanden meistens aus den ehemaligen Offizieren und Soldaten und waren meist sehr konservativ oder rechtsradikal.

Frieden von Brest-Litowsk, der: Am 3. März 1918 wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und der neuen sowjetischen Regierung unterzeichnet. Russland musste die Unabhängigkeit der Länder Finnland, Estland, Livland, Kurland, Litauen, Polen, Ukraine, Georgien und armenischer Gebiete anerkennen. Insgesamt verlor der neue Sowjetstaat rund 1,4 Millionen km² Staatsgebiet mit etwa 60 Millionen Einwohnern. Mit der Ukraine ging die Kornkammer Russlands sowie über 70% seiner Eisen- und Kohleindustrie verloren. Der Friede von Brest-Litowsk war ein Diktatfrieden.

friedliche Revolution, die = Wende, die: häufig gebrauchte Bezeichnung für die Ereignisse in der DDR zwischen Oktober 1989 (Beginn der friedlichen Revolution) und 18. März 1990 (erste freie demokratische Wahlen), die in die Wiederherstellung der deutschen Einheit mündeten.

Frondienst, der: (ahd. frô 'Herr'); Arbeit, die ein höriger Bauer an mehreren Tagen der Woche auf den Feldern seines Grundherrn verrichten muss.

Fürst, der: der erste eines Stammes oder in einem Land (ahd. furisti; engl. first). Hoher Adliger, der keinen Herrn zwischen sich und dem König hat.

Geblütsrecht, das: der neue König sollte mit seinem Vorgänger verwand sein.

Gegenreformation, die: nach der Ausbreitung der Reformation eine starke Erneuerungsbewegung in der katholischen Kirche; betont wurden die kirchliche Autorität und die Bedeutung der kirchlichen Überlieferung als gleichwertiger Grundlage des Glaubens neben der Bibel. Diese kirchlich-politische Bewegung des XVI. Jahrhunderts war durch die gewaltsame Rekatholisierung protestantisch gewordener Gebiete gekennzeichnet.

geistliche Fürsten: Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte in ihrer Eigenschaft als Inhaber von Grafenämtern usw. (Spätmittelalter) als Landesherren.

Generalgouvernement, das: im Zweiten Weltkrieg das von deutschen Truppen 1939 besetzte Gebiet Polens, das dem Deutschen Reich nicht eingegliedert wurde; umfasste die Distrikte Warschau, Krakau, Radom und Lublin; nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR (1941) kam Ostgalizien (mit Lemberg) dazu. Die Verwaltung unterstand dem von A. Hitler eingesetzten Generalgouverneur H. Frank (1939-1944, Sitz: Krakau). Das Generalgouvernement war von einer brutalen Besatzungspolitik betroffen: Verschleppung vielen Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland, gewaltsame Umsiedlungen, Einrichtung jüdischer Gettos in den Städten, Ermordung von Millionen Juden in den von der SS errichteten Vernichtungslagern; es entwickelte sich zum Zentrum der polnischen Widerstandsbewegung (z.B. Warschauer Aufstand 1944).

Germanen: die Völker mit germanischen Sprachen gehören zu den Indoeuropäern. Am Ausgang der Bronzezeit lebten sie in Norddeutschland, Dänemark und Südschweden. Später verdrängten einzelne Stämme die angrenzenden Kelten. Genauere Einzelheiten über das Leben der Germanen sind durch den römischen Historiker Tacitus (1.Jahrhundert n. Chr.) bekannt. Sie waren Bauern, die in Sippen lebten. Seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. begannen Germanen selbständige politische Einheiten zu bilden, übernahmen die Kultur der antiken Völker und das Christentum.

Germanien, das: das von den Römern benannte Siedlungsgebiet der Germanen.

Gesinde, das: Knechte und Mägde, die in der „Familie" eines Grundherrn (seit dem Hochmittelalter: auch eines Bauern) leben.

Gestapo, die (Kurzbezeichnung für Geheime Staatspolizei): allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die politische Polizei im Deutschen Reich in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft (1933-1945); unterstand H. Himmler; konnte „Schutzhaft" in Gefängnissen und KZ verhängen, foltern, liquidieren.

Gilde, die: Zusammenschluss, Vereinigung der Fernhandelsleute einer Stadt.

Gleichschaltung, die: die Aufhebung des politisch-gesellschaftlichen Pluralismus zugunsten der NS-Bewegung und ihrer Ideologie (1933-1934). Im März und April 1933 erfolgte durch das Gesetz die „Gleichschaltung der Länder mit dem Reich": die Länderparlamente und die kommunalen Volksvertretungen wurden entsprechend dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 umgebildet (später aufgelöst). Alle Vereine, Institutionen und Organisationen waren dazu gezwungen, die Ideologie der Regierung zu vertreten und deren Macht zu festigen.

Goldene Bulle, die: wichtigstes Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches, von Kaiser Karl IV. vorgelegt, auf den Reichstagen zu Nürnberg und Metz 1356 angenommen und bis 1806 gültig. Nach diesem Gesetz hatten die Staatsgewalt 7 Kurfürsten: die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen. Sie waren berechtigt, nach dem Tode eines Herrschers mit Stimmenmehrheit den neuen deutschen König zu wählen. An die Urkunde Karls IV. wurde zur Beglaubigung der Echtheit ein goldener Kaiserriegel (bulla) gehängt, nach dem die ganze Urkunde ihren Namen bekommen hat.

Görlitzer Abkommen, das: Grenzvertrag zwischen der DDR und Polen vom 6. Juli 1950; erkennt die Oder-Neiße-Linie als „unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze" beider Staaten an.

Graf, der: Zur Zeit der Merowinger (6./7. Jahrhundert) gab es in Frankenreich eine Reihe von Grafen, die -- vom König ernannt -- militärische und richterliche Aufgaben ausführten. Unter den Karolingern wurde das Grafenamt allmählich in adligen Familien erblich. Im Reich des Mittelalters verlor das Grafenamt seine Bedeutung, die Grafenrechte kamen an andere geistliche und weltliche Fürsten. Der Grafentitel wurde ein Adelstitel.

Große Koalition, die: der Zusammenschluss mehrere Parteien zu einem Regierungsbündnis, wenn dessen parlamentarische Mehrheit sehr groß ist. Die CDU/CSU und die SPD bildeten die große Koalition in den Jahren 1966-1969 und 2005-2009.

Großer Kurfürst: Beiname für Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg (1620-1688).

Grundherr, der: seit dem frühen Mittelalter waren die (adligen) Eigentümer des Bodens Herr über die darauf lebenden und arbeitenden hörigen Bauen.

Grundherrschaft, die: Vom frühen Mittelalter bis zur Bauernbefreiung bestand in Europa die Grundherrschaft: Der Eigentümer des Bodens war Herr über die Bauern. Dieses vielschichtige Abhängigkeitsverhältnis bestimmte Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Grundlagenvertrag = Grundvertrag = „Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik", der: Er wurde im Dezember 1972 abgeschlossen, um eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Teilstaaten einzuleiten. Er trat im Juni 1973 in Kraft. Er erkannte die Souveränität beider deutschen Staaten und die Unverletzlichkeit aller europäischen Grenzen einschließlich der Grenze zwischen der BRD und der DDR an.

Hallstein-Doktrin, die: nach dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein genannter Grundsatz der westdeutschen Außenpolitik seit 1955, d.h. Die diplomatischen Beziehungen sind zu Staaten abzubrechen, die die DDR anerkennen (Ausnahme: die Sowjetunion als Siegermacht). Diesen Grundsatz der Außenpolitik verfolgten die Bundesregierungen bis 1969.

Hamburger Aufstand, der: der kommunistische Aufstand in Hamburg am 23. Oktober 1923 unter Führung von E. Thälmann.

Hanse, die [germanisch 'Schar']: Gemeinschaft der Kaufleute der meisten norddeutschen Städte im Mittelalter, entstand im 11. Jahrhundert zur gemeinsamen Behauptung ihrer Vorrechte im Ausland.

Harzburger Front, die: 1931-1932 der Zusammenschluss der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, der Deutschnationalen Volkspartei, des „Stahlhelms", der Alldeutschen und einiger Einzelpersonen unter Führung A. Hitlers, A. Hugenbergs und F. Seldtes gegen die demokratische deutsche Regierung H. Brüning. Sie forderte die Auflösung des Reichstags und des preußischen Landtags.

Hausmeier, der: im Frankenreich bis Mitte des 8. Jahrhundert vornehmer Adliger, der an der Spitze des königlichen Hofstaates stand und die Aufsicht über alle Königsgüter führte. Der Hausmeier hatte bei den Franken das oberste Hofamt inne (Verwaltung der Königsgüter). Als die merowingischen Königen im 7. Jahrhundert an Macht verloren, wurde das Amt des Hausmeiers erblich: die karolingischen Hausmeier besaßen die ganze Regierungsgewalt. 751--752 machte sich der Hausmeier Pippin zum König der Franken.

Heilige Allianz, die: 1815 schlossen die Monarchen Russlands, Österreichs und Preußens auf Anregung des Zaren die „Heilige Allianz". Dieses Bündnis diente der Gewährleistung der Beschlüsse des Wiener Kongresses und der gemeinsamen Unterdrückung revolutionärer und nationaler Bestrebungen in Europa.

Heiliges Römisches Reich (Deutscher Nation): 962-1806; wurde von dem germanischen König Otto I. (912-973) gegründet, der Nord- und Mittelitalien mit Rom erobert hatte. Es vereinigte die Staaten von Mittel- und Westeuropa. Die Macht der Kaiser, die seit 1438 Habsburger innehatten, wurde allmählich nominal, obwohl dieser Titel bestimmte Privilegien völkerrechtlich gab. Es zerfiel im Laufe der Kriege von Napoleon.

Herzog, der: die Germanen wählten für Kriegszüge einen Heerführer, den Herzog (= der vor dem Heer zieht). Diese Befehlsgewalt im Krieg wurde oft auf den Frieden ausgedehnt: der Herzog erhielt auch politische Bedeutung.

Hitler-Jugend (HJ): Jugendorganisation der NSDAP, gegründet 1926. Ab 1939 war die Mitgliedschaft für alle Jugendlichen vom 10. bis 18. Lebensjahr Pflicht; Gliederungen: Deutsches Jungvolk (DJ; Jungen von 10 bis 14 Jahren), Deutsche Jungmädel (DJM; Mädchen von 10 bis 14 Jahren), die eigentliche HJ (Jungen von 14 bis 18 Jahren), Bund Deutscher Mädel (BDM; Mädchen von 14 bis 18 Jahren).

Hochsprache, die: die von Mundart freie Sprache. Eine einheitliche deutsche Schriftsprache setzte sich erst allmählich durch. Wichtig dafür war die Bibelübersetzung Martin Luthers. Er hatte seiner Übersetzung die Sprachform zugrunde gelegt, wie sie die sächsische Kanzlei benutzte und gleichzeitig „dem Volk aufs Maul geschaut".

Holocaust, der: Völkermord an vielen Millionen Menschen, die das Deutsche Reich im Nationalsozialismus als Juden diffamierte.

Hörige, der / die: Hörige waren Bauern, die zu einem bestimmten Landgut eines Großgrundbesitzers gehörten und mit diesem verkauft werden konnten. Sie durften nicht wegziehen, bei Verschenkung oder Verkauf des Bodens wurden sie mit weggegeben. Sie waren also an die Scholle gebunden. Persönlich frei (d.h. sie waren nicht im Rechtssinne eine „Sache"), waren sie zu verschiedenen Frondiensten verpflichtet und hatten Abgaben z.B. bei ihrer Heirat oder im Erbfall zu entrichten. Die Hörigkeit verschwand im 19. Jahrhundert durch die Bauernbefreiungen.

Humanismus, der (lat. humanus 'auf den Menschen gerichtet'): die große geistige Bewegung, die in Verbindung mit Renaissance und Reformation vom 14. bis 16. Jahrhundert in Europa den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit herbeiführte. Angeregt durch die intensive Beschäftigung mit der Kultur der Antike, strebten die Humanisten nach einem Leben, in dem der Mensch sich frei entfalten, sich bilden und die Herrlichkeit des Diesseits frei und glücklich genießen kann. Der Sinn des Lebens war für sie die Entfaltung eines vollkommenen Menschentums, das vom Schönen und Guten bestimmt sein sollte. Durch den Humanismus entstand die im modernen Sinn wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprachen, Geschichte, Philosophie, Rechtslehre und den Erscheinungen der Natur.

Hunnen, die: dieses asiatische Reitervolk hatte im 2.Jahrhundert v. Chr. ein großes Reich in der Mongolei errichtet. Im 4. Jahrhundert n. Chr. drangen Hunnen nach Westen vor und erreichten unter Attila (gest. 453) ihre größte Machtstellung: Selbst Ostrom musste ihnen Tribut zahlen. Nach ihrer Niederlage 451 auf den Katalaunischen Feldern zerfiel das Reich rasch. Der Einbruch der Hunnen nach Westen (seit den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts) gab die Anregung zur Völkerwanderung.

Hyperinflation, Galoppierende Geldentwertung: Die Kaufkraft und der Wert des Geldes sinken rasant. Man benötigt eine Währungsreform, um die Hyperinflation zu beenden.

Investitur, die: die Eisetzung von Bischöfen und Äbten in ihr Amt. Sie erhielten die Abzeichen ihrer Würde, der Bischof z.B. Ring und Stab, der Abt seinen Krummstab, und wurden mit den Gewändern bekleidet, die hohen Geistlichen vorgeschrieben waren.

Investiturstreit, der: der Streit zwischen Königen und Kirche um die Einsetzung der hohen Geistlichen. Könige hatten sie vor dem Investiturstreit eingesetzt, weil Bischöfe und Äbte zugleich Vasallen des Königs waren. Der Streit begann im 11. Jahrhundert und endete in Deutschland 1122.

Jaltakonferenz, die: vom 4. bis 11. Februar 1945 zwischen Roosevelt, Stalin und Churchill abgehaltene Gipfelkonferenz in Jalta. Fragen: über die militärische Besetzung Deutschlands und dessen Einteilung in vier Besatzungszonen, über die polnische Ostgrenze, die Bildung von demokratischen Regierungen für Polen und Jugoslawien, die Organisation der Vereinten Nationen (besonders das Vetorecht), über militärische Maßnahmen zur Beendigung des Kriegs, die Bestrafung von Kriegsverbrechern und andere Nachkriegsfragen. In einem Geheimabkommen verpflichtete sich die UdSSR gegen territoriale und politische Zugeständnisse zum baldigen Eintritt in den Krieg gegen Japan und zu einem Bündnis mit China.

Kapp-Putsch = Kapp-Lüttwitz-Putsch, der: Umsturzversuch am 13.-17. März 1920, geplant von unzufriedenen Teilen der deutschen Armee unter Führung des Generals W. Freiherr von Lüttwitz und rechtsradikalen Politikern mit W. Kapp an der Spitze. Er zwang die Reichsregierung zur Flucht nach Stuttgart, scheiterte aber nach wenigen Tagen am Generalstreik der Gewerkschaften, der Loyalität der Ministerialbürokratie und mangelnder Hilfe der Reichswehrführung.

Karolingische Renaissance = karolingischer Erneuerung: die besondere Förderung der Bildung, Dichtung, Buchkunst und der Architektur zur Zeit Karls des Großen um das Jahr 800 n. Chr.

katholische Liga, die: 1609 (gegen die protestantische „Union" von 1608) gegründet, die unter Führung Maximilians I. von Bayern im Dreißigjährigen Krieg bis 1635 eine große Rolle spielte.

Kleindeutsch: im Bemühen um die Bildung eines einheitlichen deutschen Staates im 19. Jahrhundert ging es immer wieder um die Frage, ob Österreich Teil dieses Staates werden sollte (großdeutsche Lösung) oder nicht (kleindeutsche Lösung).

Konferenz von Teheran, die: 28. November - 1. Dezember 1943; zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin. Hier wurde die von Stalin geforderte Errichtung einer zweiten Front in Europa durch Landung alliierter Truppen in der Normandie und Südfrankreich im Sommer 1944 mit der gleichzeitigen sowjetischen Offensive koordiniert, die sowjetische Beteiligung am Krieg gegen Japan in Aussicht gestellt und die „Westverschiebung" Polens zugunsten der Sowjetunion geplant.

Karlsbader Beschlüsse: 1819 in Karlsbad verabschiedet; das Verbot der Burschenschaft und die Einsetzung eines „außerordentlichen landesherrlichen Bevollmächtigten", der an den Universitäten das Auftreten und Verhalten der Professoren und Studenten streng zu überwachen hatte.

Karolinger: 751-918, fränkisches Herrschergeschlecht, nach Karl dem Großen benannt. Es erlangte mit Pippin II. 687 das Amt des Hausmeiers im ganzen Fränkischen Reich, mit Pippin III. 751 die Königswürde. Mit dem Aufstieg der Karolinger verlagerte sich das Machtzentrum Europas vom Mittelmeer nach Frankreich und Deutschland.

Kelten: Zum ersten Mal erwähnt wurden die Kelten im 6. Jahrhundert v. Chr. Den Namen Kelten, genauer eigentlich keltoi, gaben ihnen die Griechen. Das bedeutete so viel wie 'die Erhabenen' und 'die Tapferen'. Die Römer nannten sie später celtae und galli. Ihr Stammland musste in Westfrankreich und Südwestdeutschland gelegen haben, von dem aus sie sich seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. ausdehnten. Die Kelten besiedelten den Norden Europas bis runter in den Westen nach Spanien und in den Osten nach Anatolien.

Konfirmation, die: die feierliche Aufnahme junger Christen (in der Regel im Alter von 14 Jahren) als Mitglieder der Kirchengemeinde mit allen Rechten und Pflichten; ihrem theologischen Selbstverständnis nach das Bekenntnis der Konfirmanden zu ihrer Taufe.

Konservativ (lat. conservare 'bewahren'): ist eine Auffassung, die sich für die Erhaltung des Bestehenden und gegen Neuerungen ausspricht. Der Begriff entstand als Bezeichnung der Kräfte, die entgegen den Auffassungen der Französischen Revolution den Wert des historisch Gewachsenen betonten.

Konzentrationslager, das (Abkürzung KZ): Massenlager, vor allem für Zivilpersonen, das Elemente eines Arbeits-, Internierungs- und Kriegsgefangenenlagers sowie eines Gettos vereinigt; ein Mittel zur Unterdrückung von «Staatsfeinden», besonders im nationalsozialistischem Deutschland. Hier wurden politische Gegner, rassisch Verfolgte (bes. Juden), Kriminelle, «Asoziale» u.a. inhaftiert. Die ersten Konzentrationslager wurden 1933 für politische Häftlinge errichtet. Seit 1934 unterstanden sie insgesamt der SS. Bis 1939 bestanden die 3 großen Lager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen und 25 kleinere Lager.

Kraft durch Freude (KdF): Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront (DAF), zuständig für die Urlaubs- und Freizeitgestaltung der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront; gegründet 1933.

Kreisauer Kreis: eine nach dem Ort ihrer Zusammenkünfte auf dem Gut Kreisau (Niederschlesien) von H.J. Graf von Moltke benannte christlich-konservative Gruppe der deutschen Widerstandsbewegung; 1940 entstanden; erstrebte im Rahmen konservativer Vorstellungen einen sozialen Ausgleich zwischen den Bevölkerungsgruppen, eine überschaubar gegliederte politische Ordnung des Deutschen Reichs mit einer Machtdelegierung von unten nach oben durch indirekte Wahlen. Mit Moltkes Verhaftung im Januar 1944 und mit dem Fehlschlag des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 brach auch die Arbeit des Kreisauer Kreises zusammen.

Kristallnacht, die: In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden im Deutschen Reich durch SA- und SS-Verbände Synagogen angezündet, jüdische Friedhöfe geschändet, jüdische Geschäfte und Häuser demoliert. Über 20.000 Juden kamen in Konzentrationslager. Anlass war das Attentat auf den Sekretär der deutschen Botschaft in Paris, Ernst Eduard vom Rath, durch Herschel Grynszpan am 7. November 1938. Wenige Tage später wurde die Gesamtheit der im Reich lebenden Juden zur Zahlung von einer Milliarde Reichsmark an das Reich verurteilt.

Kulturkampf, der: wurde die Auseinandersetzung genannt, die Bismarck als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident nach 1871 mit dem politischen Katholizismus (Zentrumspartei) führte. Staatliche Maßnahmen waren Einführung der Zivilehe und der staatlichen Schulaufsicht, Verbot des Jesuitenordens.

Lebensraum, der: Als Lebensraum eines Volkes wurde das Gebiet bezeichnet, das ihm die Möglichkeit zu wirtschaftlicher und politischer Entfaltung gebe, insbesondere seinen Nahrungs- und Rohstoffbedarf sicherte. Hitler verkündete in seinem Programm Anfang der 30er Jahre, dass Deutschland als „Land ohne Lebensraum" im Osten große Gebiete erobern und darum Kriege führen müsse. Der Kampf um Lebensraum im Osten war eines der Schlagworte der nationalsozialistischen Propaganda, aus dem Unterwerfung und Ausrottung ganzer Völker abgeleitet wurden.

Lehnswesen, das: Das Lehnswesen ist für die mittelalterliche Gesellschaft kennzeichnend. Es entstand im 7. und 9. Jahrhundert im fränkischen Reich und verbreitet sich in ganz Europa. Der fränkische König gab verdienten Männern seines Gefolges aus seinem Besitz Lehen zur Nutzung. Dafür musste der Lehnsmann (Vasall) seinem Lehnsherrn im Krieg folgen und, wenn er wie die Grafen ein großes Lehen hatte, eine bestimmte Anzahl Reiter mitbringen. Der König konnte seinen Lehnsmannen das Lehen jederzeit wieder abnehmen. Manche Lehnsmannen wurden so große Grundbesitzer, dass sie ihrerseits das Land aufteilten und weiterverliehen.

Leipziger Montagsdemonstration, die: von September 1989 bis März 1990 jeden Montagabend im Anschluss an die Friedensgebete in der Nikolaikirche in Leipzig stattfindende Massendemonstration, die wesentlich zum Sturz des SED-Regimes und zur Herstellung der deutschen Einheit beitrug.

Liberalismus, der (lat. liberal 'freiheitlich'): Liberale wurden seit dem spanischen Aufstand gegen Napoleon diejenigen genannt, die durch eine Verfassung die Freiheit sichern wollten. Sie forderte die Beseitigung der Adelsprivilegien und Einbeziehung der Kirchengüter. Der Liberalismus heißt die Auffassung von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, in deren Mittelpunkt die ungehinderte Entfaltung des einzelnen und der einzelnen Gruppen steht. Im 19. Jahrhundert fand er viele Anhänger im Bürgertum, dessen politische und wirtschaftliche Interessen die Beseitigung der staatlichen Bevormundung verlangten.

Limes, der: der planmäßige Ausbau einer Verteidigungsstellung an Rhein und Donau unter Einbeziehung des südwestlichen Germaniens rechts des Rheins, das die Römer Dekumatland (Zehntland) nannten. Der Limes bestand zuerst aus Wall und Graben, wurde durch Palisaden verstärkt. Er hatte auch steinerne Wachttürme, Kastelle in Abstand von 15 km. Durch den Limes wurde die Ausbreitung der Germanenstämme nach Westen und Süden aufgehalten. Reste der Limes-Anlage sind noch heute in Süddeutschland zu sehen.

Linke: In den Parlamenten des 19. Jahrhunderts (z.B. im Paulskirchenparlament) saßen politisch Gleichgesinnte zusammen. Die Sitzordnung, vom Präsidenten aus gesehen, wurde zum äußeren Kennzeichen politischer Haltungen: die Linken waren die Republikaner, die Liberalen saßen in der Mitte, Rechte wurden die Konservativen genannt.

Locarnopakt, der: 1925 in Locarno vereinbarter und in London unterzeichneter Sicherheitsvertrag, durch den sich Deutschland, Frankreich und Belgien (Garantie Großbritanniens und Italiens) verpflichteten, die im Vertrag von Versailles festgelegten deutschen Westgrenzen und die entmilitarisierte Rheinlandzone zu achten. Am 7. März 1936 erklärte Hitler den Locarnopakt für hinfällig und marschierte ins Rheinland ein.

Londoner Empfehlungen, die: wurden am 2. Juni 1948 von den Westmächten (Belgien, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, die Niederlande, die USA) veröffentlicht. Die Londoner Empfehlungen sahen die Bildung eines westdeutschen separaten Staates vor.

Londoner Ultimatum, das: auf der Londoner Reparationskonferenz des Obersten Alliierten Rates von Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien und Japan am 5. Mai 1921 gestellt: entweder Unterwerfung unter das Diktat der Entente oder Besetzung des Ruhrgebietes. Das Ultimatum sollte die deutsche Reichsregierung zwingen, eine Reparationsschuld in Höhe von 132 Mrd. Goldmark anzuerkennen.

LPG, die = Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft: ab 1952 Zusammenschluss von Landwirten und bäuerlichen Betrieben -- zumeist zwangsweise -- zu LPG, in denen der Boden gemeinsam bewirtschaftet wurde.

Mann, der (Plural: die Mannen): jeder -- ob adlig oder nicht --, der sich einem anderen als seinem „Herrn" unterworfen war.

Marktwirtschaft, die: Wirtschaftsform eines ganzen Landes, in der ein nennenswerter Teil der Erzeugnisse zum Verkauf angeboten wird, d.h. zum Tausch gegen Geld (oder gegen andere Erzeugnisse).

Marshallplan, der: 1947; nach dem US-amerikanischen Außenminister G.C. Marshall genannt; das Hilfsprogramm zum Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Er trat wegen der Ablehnung der Mitarbeit durch die Ostblockländer nur für Westeuropa am 3. April 1948 in Kraft. Die aufgrund des Marshallplans gewährte Hilfe umfasste Sachlieferungen und Kredite.

Materialschlacht, die: nennt man die großen Schlachten des Ersten Weltkrieges, in denen die Entscheidung durch Masseneinsatz von technischem Kriegsgerät erzwungen werden sollte. In den Materialschlachten, die den Stellungkrieg überwinden sollten, fielen viele Soldaten.

Mauerfall, der: Öffnung der Grenzen der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 9. November 1989.

Merowinger: 476-750; Königsgeschlecht der salischen Franken, gründete unter Chlodwig I. Fränkisches Reich. Im 7. Jahrhundert verlor es seine Macht an die karolingischen Hausmeier; 751 wurde mit Childerich III. der letzte Merowinger abgesetzt; der Aufstieg der Karolinger begann.

Ministerialen, die: die Angehörigen des niederen Adels im Mittelalter. Sie waren ursprünglich Unfreie, stiegen aber durch ihren Dienst für den König gesellschaftlich auf und zählten seit dem 12.-13. Jahrhundert zum Ritterstand.

Minnesänger, die: deutsche Dichter des Mittelalters, die in ihren Liedern vorwiegend die Minne, die Liebe, besangen. Diese Kunst kam aus Frankreich nach Deutschland (Troubadour).

Mittelmächte: im Ersten Weltkrieg das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und ihre Verbündeten (Türkei, Bulgarien).

Montagsdemonstration, die: Am 4. September fand im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche die erste große Montagsdemonstration des Herbstes 1989 statt. Von nun an stieg mit jeder Woche die Zahl der Teilnehmer und auch die Brisanz des öffentlichen Protestes. Montagsdemonstrationen waren Vorläufer der friedlichen Revolution in der DDR. Mit dem Ruf „Wir sind das Volk" forderten zahlreiche Demonstranten den Rücktritt der Regierung.

Moskauer Vertrag, der: am 12. August 1970 in Moskau von der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR unterzeichneter Vertrag über Gewaltverzicht und territoriale Unverletzlichkeit aller Staaten in Europa auf der Basis der bestehenden Grenzen.

Münchener Abkommen, das: am 29. September 1938 von A. Hitler, B. Mussolini, A.N. Chamberlain und É. Daladier abgeschlossen; über die Abtretung des Sudetenlands an Deutschland durch die Tschechoslowakei.

Nacht-und-Nebel-Erlass: Im Dezember 1941 verfügte ein Erlass Hitlers, Widerstandskämpfer im besetzten Gebiet so zu verhaften, dass der Umwelt ihr Schicksal ungewiss blieb. Dieser Erlass gab der SS und Sicherheitsdienst (SD) neue Möglichkeiten des Terrors, er sah für Widerstandskämpfer grundsätzlich die Todesstrafe vor.

Nationalsozialismus, der: ist die deutsche Form des Faschismus. Er ist gekennzeichnet durch die Betonung der Rassenlehre, der Lehre vom nordisch-arischen „Herrenmenschen", der vom jüdisch-bolschewistischen „Untermenschen" bedroht werde. Daraus folgte der Aufbau eines staatlichen Vernichtungsapparates von perfektionierter Unmenschlichkeit. Die beiden wichtigsten nationalsozialistischen Organisationen waren die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und SS.

NATO-Doppelbeschluss, der: Die 14 Außenminister der NATO (außer Frankreich) vereinbarten am 12. Dezember 1979 den NATO-Doppelbeschluss. Dieser besagte: 1) Neue Mittelstreckenraketen sollten in Westeuropa stationiert werden. Diese waren Raketen vom Typ Pershing II und die Marschflugkörper Cruise-Missiles. 2) Alternativ wurden der sowjetischen Regierung Verhandlungen über eine Begrenzung der Raketen in Ost und West angeboten.

Naturalwirtschaft, die: eine Wirtschaft, in der es -- im Gegensatz zur Geldwirtschaft -- keine Zahlungsmittel gibt. Der Warenverkehr ist auf einfachen Tausch beschränkt: die meisten Gegenstände, die man braucht, produziert jeder selbst. Wird die Güterproduktion vielfältiger und höher entwickelt, so dienen besonders wertvolle Güter als Zahlungsmittel.

Neue Kurs, der: die Politik von Wilhelm II. nach Bismarcks Sturz im Jahre 1890; grundlegende Veränderungen in der Innen- wie in der Außenpolitik von Bismarck.

Norddeutscher Bund (1867-1871): 1866-1867 gründeten Preußen und alle nördlich des Mains gelegenen deutschen Staaten den Norddeutschen Bund. Die von Bismarck geprägte Verfassung war föderalistisch, sicherte aber die Hegemonie Preußens. Die Wahlen zum Reichstage waren allgemein, gleich, geheim und direkt, das Parlament hatte aber keinen Einfluss auf die Berufung der Regierung des Bunds.

Notstandsverfassung, die: Sie bedeutet die verfassungsrechtlichen Regeln, nach denen die Staatsorgane zur Abwehr besonderer Notlagen ermächtigt werden. Es wurde am 24. Juni 1968 das 17. Gesetz zur Ergänzung des Grundgesetzes verabschiedet, das Regelungen für den äußeren Notstand (Verteidigungs- und Spannungsfall) und den inneren Notstand (innere Unruhen und Naturkatastrophen) enthielt und mit dem zugleich die alliierten Eingriffsrechte erloschen. Die Notstandsverfassung wurde durch einfache Notstandsgesetze (besonders Gesetze zum Zivilschutz, die Sicherstellungsgesetze, Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses) näher ausgestaltet.

Notverordnung, die: Am 28. Februar 1933 erließ die Regierung Hitler mit Zustimmung des Reichspräsidenten die „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat". Sie hob fast alle Grundrechte auf und beseitigte die rechtsstaatliche Ordnung.

NSDAP, die (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei): 1919 war die Deutsche Arbeiterpartei in München von Anton Drexler gegründet worden. Sie wurde 1920 in NSDAP umbenannt. Ein Jahr später wurde Adolf Hitler Vorsitzender der Partei. Die Weltanschauung der Nationalsozialisten war antidemokratisch, antisemitisch, antikommunistisch und nationalistisch geprägt. Die Nationalsozialisten hielten die deutsche Rasse für überlegen und werteten insbesondere das Judentum ab. Sie waren entschiedene Gegner des Kommunismus wie auch der Demokratie. Sie forderten ein Großdeutsches Reich, die Aufhebung des Versailler Vertrages, den Aufbau eines autoritären Staates, die Einführung von staatlicher Zensur und die Ablehnung der deutschen Staatsbürgerschaft für Juden.

Nürnberger Gesetze: Sammelbezeichnung für das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, vom Reichstag am 15. September 1935 einstimmig verabschiedet. Danach sollten die vollen politischen Rechte zukünftig nur den Inhabern des Reichsbürgerrechts zustehen, das nur an Staatsangehörige deutschen Blutes verliehen werden sollte. Das Blutschutzgesetz verbot bei Gefängnis- oder Zuchthausstrafe unter anderem die Eheschließung zwischen Juden und Deutschen.

Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, der: von November 1945 bis August 1946 der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg. Er wurde von den Alliierten gemeinsam durchgeführt. Am 18. Oktober 1945 wurde gegen 22 als Hauptkriegsverbrecher eingestufte führende Nationalsozialisten aus Partei, Staat und Wehrmacht Anklage erhoben. Die drei Hauptanklagepunkte waren: Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Oder-Neiße-Linie, die: deutsch-polnische Grenzlinie entlang die Oder und die Görlitzer Neiße. Sie wurde auf der Potsdamer Konferenz als polnische Westgrenze festgelegt.

Ostverträge, die: die von den Bundesregierungen Brandt und Schmidt in den 1970er Jahren im Zuge der „neuen Ostpolitik" geschlossenen Verträge, vor allem mit der UdSSR (Moskauer Vertrag), mit Polen (Warschauer Vertrag) und der Tschechoslowakei (Prager Vertrag beziehungsweise „Normalisierungsvertrag").

Ottonen (919-1024): Geschlechtername der deutschen Könige. Der Sachsenkönig Heinrich, der im Jahre 919 ostfränkisch-deutscher König wurde, war der erste der „Ottonen" auf dem Königsthron. Der Geschlechtername ist von Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I. (936-973) und von dessen gleichnamigen Sohn Otto II. (973-983) und Enkel Otto III. (983-1002) abgeleitet.

Pariser Verträge: am 23. Oktober 1954 in Paris unterzeichnetes und am 5. Mai 1955 in Kraft getretenes Vertragswerk, das zum Gewinn der Souveränität für die Bundesrepublik Deutschland und zu ihrer Einbeziehung in das Westeuropäische Union und NATO führte.

Parlamentarische Rat, der: 1948-1949 Versammlung aus 65 von den Landtagen der 11 westdeutschen Länder gewählten Abgeordneten. Er erarbeitete das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Der Präsident war K. Adenauer.

Passierscheinabkommen, das: am 17. Dezember 1963 zwischen der DDR und dem Berliner Senat geschlossenes Abkommen, das es den Bewohnern Westberlins ermöglichte, zu bestimmten Zeiten Verwandte in Ostberlin zu besuchen.

„passiver Widerstand": die Stilllegung der Gruben, Verweigerung aller Dienste für die Franzosen, nachdem die Franzosen im Januar 1923 das Ruhrgebiet militärisch besetzt hatten.

Patrizier, der: das Mitglied der reichen und angesehenen Kaufmannsfamilie in den mittelalterlichen Städten. Sie bildeten den Rat der Stadt; ihr Einfluss wurde im 14./15. Jahrhundert von den Zünften zurückgedrängt.

Perestroika, die: der von M. Gorbatschow ab 1986 eingeleitete Prozess zum Umbau und zur Modernisierung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems der Sowjetunion.

Pfalz, die: (aus lat. palatium 'Palast'); Wohnsitz der mittelalterlichen Könige. Der König hielt sich zeitweise in ihnen auf, um Recht zu sprechen. Wichtige Pfalzen waren Aachen, Ingelheim, Gelnhausen, Goslar.

Pogrom, der: gewalttätiger Übergriff (oft mit Mordtaten) auf die Juden einet Stadt oder eines Gebietes.

Polnischer Korridor: Nachdem 1919 durch den Versailler Vertrag die Provinzen Posen und Westpreußen vom Deutschen Reich an Polen abgetreten wurden, lag zwischen Ostpreußen und dem übrigen Teil des Reiches polnisches Gebiet. Dieses wurde wegen seiner schmalen Gestalt und dem Zugang zur Ostsee bildete Polnischen Korridor genannt.

Potsdamer Abkommen, das: die am 2. August 1945 auf der Potsdamer Konferenz gefassten Beschlüsse. Vereinbart wurden: 1) Grundsätze der politischen und wirtschaftlichen Behandlung Deutschlands, 2) Reparationen, 3) Übertragung der Verwaltung der deutschen Ostgebiete an die UdSSR und Polen bis zu einer Friedensregelung, 4) die Ausweisung der Deutschen aus den osteuropäischen Gebieten, 5) Errichtung eines Rats der Außenminister der 3 Mächte, Chinas und Frankreichs (Sitz London); erste Aufgabe war die Vorbereitung der Friedensverträge mit Italien, Bulgarien, Finnland, Rumänien und Ungarn.

Potsdamer Konferenz, die: das Treffen vom 17.Juli bis 2. August 1945 in Potsdam (Schloss Cecilienhof) zwischen Truman (USA), Stalin (UdSSR) und Churchill / Attlee (Großbritannien). Die alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkriegs beschlossen die Potsdamer Deklaration (26. Juli; ultimative Aufforderung an Japan zur bedingungslosen Kapitulation) und das Potsdamer Abkommen (2.August).

Pragmatische Sanktion, die: das Gesetz, das für die österreichische Lande 1713 auch die weibliche Erbfolge vorsah, da der regierende Habsburger nur Töchter hatte. Maria Theresia wurde durch dieses Gesetz 1740 Erbin des Habsburger Staates.

Protestanten, die (lat. protestantes 'jene, die den Einspruch erheben'): 1529 beschloss der Reichstag zu Speyer, das Wormser Edikt von 1521 streng durchzuführen, also Luther zu verfolgen und seine Schriften zu verbieten. Dagegen erhoben sich die Anhänger Luthers -- sie waren auf dem Reichstag die Minderheit -- Einspruch. Seitdem wurde für die Anhänger Luthers, später auch für alle anderen Anhänger der Reformation (z.B. Calvinisten, Reformierte) die Bezeichnung Protestanten üblich.

protestantische Union, die: 1608 geschlossenes Bündnis lutherischer und reformierter Reichsstände unter Führung Kurfürst Friedrichs IV. von der Pfalz; löste sich nach der Niederlage Friedrichs V. von der Pfalz am Weißen Berg (1620) auf.

Rapallovertrag, der: deutsch-sowjetischer Vertrag vom 16. April 1922, in dem das Deutsche Reich und die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik auf Ersatz ihrer Kriegskosten und -schäden verzichteten, die sofortige Aufnahme diplomatischer und konsularischer Beziehungen vereinbarten und wirtschliche Annäherung nach dem Meistbegünstigungsrecht beschlossen.

Rassenlehre, die: Die Rassenlehre bestimmte die nationalsozialistische Politik entscheidend. Ihre Hauptzüge sind: Körper, Seele und Geist des Menschen sind vom „Blut" geprägt. Es ist die Aufgabe der höchsten Rasse, der nordisch-arischen „Herrenmenschen", über die „minderwertigen" Völker zu herrschen oder sie zu beseitigen. Kulturfähig ist allein die „nordisch-arische Rasse"; sie steht im Kampf gegen die Juden, die „Kulturzerstörer"; Liberalismus, Kapitalismus, Demokratie, Pazifismus, Marxismus, Bolschewismus sind ihre Erfindungen. Es wurden keine Mittel gescheut, die Thesen der Rassenlehre zu verwirklichen.

Rat der Stadt, der: In den mittelalterlichen Städten war das ein eigenes Verwaltungsorgan. Zunächst gehörten ihm nur Patrizier, seit den innenstädtischen Machtkämpfen des 14./15. Jahrhunderts meist auch Vertreter der Zünfte an.

Reeducation (englisch „Umerziehung"), Bezeichnung für die Gesamtheit aller Maßnahmen, mit denen die vier Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland versuchten, im Sinne des Potsdamer Abkommens (2.8. 1945) das politische Leben in Deutschland auf demokratischer Grundlage umzugestalten.

Reformation, die (lat. reformatio 'Erneuerung'): gesellschaftlich-politische und ideologische Bewegung in West- und Zentraleuropa des 16-Jahrhunderts, die im religiösen Kampf gegen die katholische Lehre und Kirche gipfelte. Den Anfang der Reformation verbindet man mit dem Auftreten von Martin Luther am 31. Oktober 1517 gegen den Ablasshandel. Im Zusammenhang mit Renaissance und Humanismus ist die Reformation Teil des Umbruchs, der vom Mittelalter zur Neuzeit führte. Wichtige Reformatoren neben Martin Luther waren Ulrich Zwingli in Zürich und Jean Calvin in Genf.

Reichstag, der: 1) Versammlung der Reichsstände im Heiligen Römischen Reich bis 1806, die seit 1663 als Gesandtenkongress fast ständig in Regensburg tagte und die 3 Kollegien Kurfürsten, Reichsfürsten und Reichsstädte umfasste; 2) gemeinsame Vertretung des deutschen Volks im Deutschen Reich 1871 bis 1918, hervorgegangen aus allgemeinen, gleichen, geheimen, unmittelbaren Wahlen. Der Schwerpunkt der Reichsgewalt lag beim Bundesrat; 3) 1919-1945: Gesetzgebungsorgan, Vertretung des Volks und Hauptträger der Reichsgewalt. Reichskanzler und Reichsminister waren vom Vertrauen des Reichstags abhängig.

Reichstagsbrand, der: Der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin am 27. Februar 1933; Er war der Anlass für die Notverordnung des Reichs-Präsidenten vom 28. Februar 1933 (Aufhebung der wichtigsten Grundrechte).

Renaissance, die (frz. 'Wiedergeburt'): Stilrichtung in der Kunst vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert. Sie kam aus Italien zusammen mit den Ideen des Humanismus. Die Künstler wandten sich der Betrachtung der Kunst- und Bauwerke des Altertums zu, in denen sie Vorbilder für ihr eigenes Schaffen sahen. Die Künstler suchten jetzt den Menschen und die Welt möglichst genau zu erfassen und abzubilden. Die Natur und das Diesseits wurden als eigene Werte verstanden und deshalb Gegenstand der darstellenden Künste. Die gebildete weltzugewandte Persönlichkeit, die ihre Kraft auslebt, wurde zum Ideal.

RGW, der (1949-1990): Abkürzung für „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe". Als Gegenzug zum amerikanischen Marshallplan gründete die Sowjetunion im Januar 1949 den RGW, der die Wirtschaft der im unmittelbaren sowjetischen Einflussbereich liegenden Staaten aufeinander abstimmt. Die Wirtschaftspläne der Mitgliedsstaaten wurden auf sowjetische Interessen zugeschnitten, so dass sich eine stark wirtschaftliche Abhängigkeit dieser Staaten von der UdSSR ergab.

Rheinbund, der: 1806 traten 16 deutsche Fürsten aus dem Reich aus und gründeten den Rheinbund, dessen Protektor Napoleon war. Daraufhin legte der Kaiser die Krone des Heilige Römischen Reiches Deutscher Nation nieder.

Ritter, der: von der Karolingerzeit bis zum 13. Jahrhundert waren berittene Krieger der wichtigste Teil der Heere. Die adligen Ritter hatten eine Gefolgschaft von Dienstmannen, die ebenfalls als Ritter in den Krieg zogen. Allmählich verschmolzen dann Geburtsadel und Dienstadel im Ritterstand.

Ritterkultur, die: die Bezeichnung für die Zeit vom Ende des 12. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Dichter waren ausschließlich ritterlichen Standes und schrieben Ritterromane und Lieder, in denen sie die Natur und die Liebe besangen. Selbstbeherrschung und gute Erziehung waren die Ideale gesellschaftlichen Umganges. Eine besondere Rolle spielte in dieser Kultur die verheiratete Frau, die adlige Dame.

Ritterorden, der: während der Kreuzzüge entstandene Vereinigungen christlicher Ritter, deren Mitglieder die Mönchsgelübde (Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit) ablegten. Ursprünglich entstanden die Ritterorden aus der Notwendigkeit, die Pilger in Palästina zu schützen und Kranke und Verwundete zu pflegen. Sie sahen als übergeordnete Ziele die «Befreiung» des Heiligen Landes von der Herrschaft der «Ungläubigen» und den Kampf für die Ausbreitung des christlichen Glaubens. Wichtige Orden waren: der Deutsche Orden, der Johanniterorden (später Malteser genannt, da Malta Ordenssitz wurde) und der Templerorden. Seit dem 13. Jahrhundert beteiligte sich vor allem der Deutsche Orden an der Ostkolonisation.

Ritterroman, der: Dichtungen, die von den Rittern in Versen geschrieben und an den Höfen vorgetragen wurden. Ihr Inhalt beschreibt Heldentaten von Rittern, Abenteuer in fernen Ländern und den Kampf für den Glauben, für die Schwachen, meist im Dienst einer verheirateten Frau. Die ersten Ritterromane entstanden in Frankreich im 11. Jahrhundert (Troubadour).

Ritterschlag, der = Schwertleite, die: So nennt man die feierliche Handlung, durch die ein junger Adliger (Knappe) durch seinen Herrn in den Ritterstand aufgenommen wurde. Er erhielt einen Schlag auf die Schulter mit der stumpfen Seite des Schwertes, wurde mit dem Ritterumhang bekleidet und erhielt meist seine Waffen geschenkt.

Röhm-Putsch, der: die von Hitler befohlene, von SS und Gestapo durchgeführte Mordaktion gegen die SA-Führung und politische Gegner am 30. Juni 1934. Grund war das Hitlers Absichten entgegenstehende Bestreben Röhms, die Reichswehr durch die SA im Rahmen eines revolutionären Milizheeres auszuschalten. Hitler nutzte den Röhm-Putsch, um auch konservative Gegner und missliebige Politiker (Schleicher, Jung u.a.) umbringen zu lassen.

Rokoko, das (frz. rococo, zu Rocaille 'Geröll, Muschel'): ein Stil der (europäischen) Kunst, der sich zwischen 1720 und 1780 aus dem Barock entwickelte und für den die starken Verzierungen typisch waren; gekennzeichnet durch elegante Formen (Porzellane und Innendekorationen), helle, zarte Farben (Pastellmalerei), beschwingte Grazie und Freude am Exotischen (Chinoiserie).

Rote-Armee-Fraktion, abgekürzt RAF: So nannte sich eine Gruppe von linksextremistischen Terroristen, die seit 1970 die Bundesrepublik in Angst und Schrecken versetzte. Die Mitglieder der RAF protestierten gegen den Kapitalismus, gegen den Vietnamkrieg und gegen die USA, deren Politik als imperialistisch abgelehnt wurde. Während die Studentenbewegung noch mit friedlichen Mitteln nach Lösungen gesucht hatte, befanden die Mitglieder der RAF, dass nur Gewalt zum Ziel führen würde.

Rote Kapelle, die: eine der größten deutschen Widerstandsgruppen. Ziele: Weitergabe wichtiger Informationen vor allem an den sowjetischen Geheimdienst, deutsche Eigenstaatlichkeit sichern, angesichts des Holocausts Krieg sofort beenden; zwischen August 1942 und Frühjahr 1943 zerschlagen (126 Mitglieder verhaftet, über 50 Mitglieder hingerichtet).

Rückversicherungsvertrag, der: Er wurde 1887 abgeschlossen und war ein geheimer Vertag zwischen dem Deutschen Reich und Russland. Dieser Vertrag erhielt ein Neutralitätsabkommen für den Fall eines österreichisch-ungarischen Angriffs auf Russland oder eines französischen Angriffs auf Deutschland. Er war der Abschluss des europäischen Bündnissystems, das Bismarck entworfen hatte, um Frankreich zu isolieren und einen Zweifrontenkrieg für Deutschland auszuschließen.

Rune, die: Runen sind germanische Buchstaben, die aus der Umbildung norditalischer Schriftzeichen entstanden (um 100 v. Cr.). Sie wurden kaum zu schriftlichen Aufzeichnungen, sondern vor allem für religiöse Zwecke benutzt: Die häufig aus Buchenhölzchen gefertigten Zeichen (=Buchstaben) dienten dazu, den Willen der Götter zu deuten.

Saarland, das: Das Saargebiet wurde durch den Versailler Vertrag aus dem südlichen Teil der ehemaligen preußischen Rheinprovinz und der westlichen Teile der bayerischen Pfalz gebildet und für 15 Jahre (ab 10. Januar 1920) einer Völkerbundsregierung unterstellt. 1935 kam dieses Saargebiet nach Volksabstimmung (90,7% für Deutschland) an das Deutsche Reich zurück. Ab 2. Januar 1946 war es unter französischer Verwaltung. In der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955 wurde das Saarstatut (europäischer Status des Saarlands im Rahmen der „Westeuropäischen Union") abgelehnt (67,7%). Aufgrund des deutsch-französischen Saarvertrags vom 27. Oktober 1956 wurde das Saarland am 1. Januar 1957 ein Land der Bundesrepublik Deutschland.

Salier (1024-1125): fränkisches Adelsgeschlecht mit Macht- und Besitzschwerpunkt im Nahe-, Speyer- und Wormsgau. Die Dynastie gelangte mit Konrad II. 1024 zur Herrschaft im Heiligen Römischen Reich und erlosch 1125 mit dem kinderlosen Heinrich V. Erben waren die Staufer.

Schlacht im Teutoburger Wald, die: Schlacht zwischen Germanen und Römern im Jahre 9 n.Chr., in der Arminius (verdeutscht Hermann, danach auch Hermannsschlacht) an der Spitze eines Bundes von Cheruskern und Nachbarstämmen drei römische Legionen unter P. Quinctilius Varus vernichtete. Sie stoppte den Vormarsch der Römer in das rechtsrheinische Gebiet.

Schlieffenplan, der: Der preußische Generalstabschef von Schlieffen hatte für den Fall eines Zweifrontenkriegs einen Operationsplan für das deutsche Heer entwickelt. Grundgedanke des Planes war ein Angriff mit starken Kräften auf dem nördlichen Flügel der Westfront unter Verletzung der belgischen Neutralität, um eine Entscheidung gegen Frankreich zu erzwingen, ehe die langsame russische Mobilmachung zu einem Einsatz der russischen Armee im Osten führen konnte.

Schuman-Plan, der: 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman die Idee einer „Fusion" der deutschen und französischen Kohle- und Stahlproduktion vor, die zur Gründung der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl am 25. Juli 1952 führte.

Schutzstaffel, die (SS): Sonderformation der NSDAP mit Sicherungs- und Überwachungsaufgaben. Die SS entsandt 1925 als nationalsozialistischer Kampfverband zum persönlichen Schutz Hitlers. Unter ihrem Reichsführer H. Himmler (ab 1929) übte sie zugleich den Polizeidienst innerhalb der NSDAP aus. Die Theorien der Rassenlehre sollten von der SS verwirklicht werden. Im Inneren des Reiches verfügte die SS mit Hilfe der Polizei und des Spitzelsystems von Gestapo und SD über die totale Macht.

Siebenjährige Krieg, der = der 3. Schlesische Krieg (1756-1763): der Krieg um Schlesien zwischen Österreich und Preußen. Um das von Friedrich dem Großen im 1. und 2. Schlesischen Krieg eroberte Schlesien zurückzugewinnen, verbündete sich Österreich mit Russland, Frankreich und Sachsen, später bekam es die Unterstützung durch Spanien, Schweden und die Reichsarmee. Preußen war nur im Bunde mit Großbritannien-Hannover. Durch den Frieden von Hubertusburg wurde am 15. Februar 1763 der Siebenjährige Krieg beendet. Friedrich der Große behauptete Schlesien und die Großmachtstellung Preußens.

Sippe, die: bei den Germanen hieß die Großfamilie Sippe. Alle durch Abstammung oder auch Eheschließung verwandten Menschen bildeten eine Gemeinschaft, die z.B. bei Blutrache oder Fehde gemeinsam handelte.

Soldatenkönig, der: der Beiname von Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), König in Preußen (seit 1713).

Söldner, der: Das war ein für Lohn (Sold) angeworbene Krieger (Soldat).

Sorben, die: früher auch Wenden genannt; westslawisches Volk in der Ober- und Niederlausitz (Sachsen und Brandenburg); Nachkommen der die deutsche Ostsiedlung überdauernden slawischen Bevölkerung, etwa 60000 Menschen, davon 40000 in Sachsen und 20000 in Brandenburg; Zentren sind Bautzen und Cottbus; mehrheitlich sind die Sorben Protestanten, etwa ein Viertel Katholiken; sie haben eine eigenständige Sprache und Kultur, ihr Dachverband ist die Domowina.

Soziale Marktwirtschaft, die: seit 1948 wird so in der BRD die bestehende Wirtschaftsform genannt, in der die Verbindung der freien Wettbewerbswirtschaft mit dem Prinzip der sozialen Verantwortung versucht wird. So wird einerseits eine freie Preisbildung auf dem Markt angestrebt und das Privateigentum bejaht, anderseits greift der Saat durch Subventionen und andere Maßnahmen (z.B. Steuern, Kreditpolitik) zugunsten oder zu Lasten einzelner Gruppen in den Wirtschaftsprozess ein und bemüht sich durch seine Sozialpolitik um eine gerechte Verteilung des Volkseinkommens.

Sozialistengesetz, das: von Otto von Bismarck nach den Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. durchgesetztes Ausnahmegesetz vom 21. Oktober 1878 gegen die „gemeingefährlichen Bestrebungen" der Sozialdemokratie, auf 2 1/2 Jahre befristet, bis 1890 mehrmals verlängert. Es ermächtigte die Polizei zur Auflösung aller sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Vereine, zur Ausweisung von Propagandisten und zur Beschlagnahmung ihrer Schriften.

Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die: 1946 aus der SPD und KPD gegründet. 1949 wurde sie die dominierende Staatspartei der DDR. Sie kontrollierte alle Organe der Regierungen, daher entwickelte sich die DDR zum Ein-Parteien-Staat.

Spartakusbund, der: genannt nach dem Sklaven Spartacus, der eine führende Rolle in dem großen Sklavenaufstand in Italien von 73-71 v. Chr. spielte; linksradikale Vereinigung unter Führung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, gegründet 1917; aus ihr ging 1918/19 die Kommunistische Partei Deutschlands hervor. Die Spartakisten wollten in Deutschland eine Räterepublik errichten.

Staatsrat, der: 1960-1990 eine Gruppe von Politikern in der DDR, die das Amt des Staatsoberhauptes ausübten.

Stabilitätsgesetz, das: Das „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" legte fest, dass der Bund und die einzelnen Länder ihre wirtschaftlichen Maßnahmen aufeinander abstimmen sollten. Es benannte vier Ziele für die Gesamtwirtschaft der Bundesrepublik. Die Preise sollten stabil bleiben, viele Menschen sollten beschäftigt (also nicht arbeitslos) sein, der Handel mit dem Ausland sollte ausgeglichen sein (außenwirtschaftliches Gleichgewicht) und alles sollte zu einem angemessenen Wirtschaftswachstum führen. Diese vier Ziele nennt man auch „magisches Viereck", denn es ist schwierig, sie alle vier zugleich zu verwirklichen.

Stadt, die: eine durch eine Mauer eingeschlossene Großsiedlung mit folgender besonderen rechtlichen Eigenschaft: Ihre Bürger sind insgesamt als eine Schwurgenossenschaft „Mann" eines Stadtherrn (König, Bischof, Fürst). Die Bürger regierten sich durch den Rat der Stadt selbst. Ihren Frieden verteidigt die Stadt selbst. In den Städten gibt es Erscheinungen mittelalterlicher ständischer Gilden und Zünften, Zunftmeister und Gesellen, Bürger und Einwohner. Die deutschen Städte entstanden im Anschluss an römische Gründungen (z.B. Köln, Mainz, Regensburg, Trier), an Marktorten, Bischofssitzen, neben Pfalzen und Burgen.

Stahlhelm, der = der Bund der Frontsoldaten: eine monarchistische militaristische Vereinigung von Soldaten des Ersten Weltkriegs (1924 waren auch Nichtkriegsteilnehmer Mitglieder); 1918 gegründet. 1933 wurde der Stahlhelm in die SA eingegliedert; 1935 aufgelöst; 1951 neu gegründet.

Stand, der: Als Stände bezeichnete man seit dem ausgehenden Mittelalter soziale Gruppen, die sich selbst als Einheit verstanden, von anderen sozialen Schichten abhoben und ihre eigenen Rechte hatten. Herkunft, Beruf oder Bildungsgrad waren dabei maßgebend. Im Mittelalter gab es drei Stände: Adel, Geistlichkeit (Klerus) und Bauern. Seit dem Aufblühen der Städte bildeten vor allem die Bürger den Dritten Stand.

Stasi, die: Staatssicherheitsdienst (in der ehemaligen DDR). Ihre Aufgaben waren: die Sicherung der Parteiherrschaft nach innen und die Spionage nach außen. Die Stasi war eines der wichtigsten Herrschafts- und Unterdrückungsinstrumente der SED in der DDR.

Staufer = Hohenstaufen (1138-1254): deutsches Herrschergeschlecht, nach der schwäbischen Stammburg auf dem Hohenstaufen genannt. Die Staufer 1138 bis 1254 auf dem deutschen Königs- und Kaiserthron. Die bedeutendsten Staufer waren Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI., Friedrich II. Mit Konradin (enthauptet 1268) erlosch das Geschlecht.

Stellungskrieg, der: Im Gegensatz zu früheren Kriegen, in denen die Heere durch Marschieren in strategisch günstige Positionen für eine Schlacht gebracht wurden, kam es vor allem im Ersten Weltkrieg in Frankreich zum Stellungskrieg. Die Armeen gruben sich in ihren Stellungen ein und kämpften mit großem Materialaufwand um meist geringfügige Geländevorteile.

„Stunde Null", die: der Zeitpunkt, an dem etwas völlig neu beginnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Deutschen die Stunde Null: alles musste neu aufgebaut werden. Die Gesellschaft war vom Verlust aller Traditionen und Wertvorstellungen gekennzeichnet, man stand vor dem Nichts, die Deutschen schienen in ihrer Geschichte an einem Nullpunkt zu sein.

Sturmabteilung, die (SA): uniformierte und bewaffnete Kampftruppe als Gliederung der NSDAP, beteiligte sich am Ende der Weimarer Republik häufig an schweren Straßenkämpfen. Seit der Ermordung ihrer Führungsspitze im Juni 1934 (Röhm-Putsch) hatte sie keinen politischen Einfluss.

Sudetenkrise, die: die Auseinandersetzung zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich um das Gebiet des deutschsprachigen Sudetenlandes im Jahre 1938.

Technische Nothilfe: eine Hilfsorganisation der Polizei, 1919 gegründet; Man benutzte sie für die Niederwerfung der Streiks sowie auch bei Beseitigung öffentlicher Notstände.

Thing, das: bei den Germanen Volks-, Heeres- und Gerichtsversammlung, auf der alle Rechtsangelegenheiten eines Stammes behandelt wurden.

totaler Krieg: von J. Goebbels geprägte Bezeichnung für einen Krieg, in dem alle menschlichen, materiellen und moralischen Reserven eines Volkes erfasst und in den Dienst einer Vernichtungsstrategie gestellt werden: die herkömmliche Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten wird aufgelöst, moderne Technologie zur Massenvernichtung (Terrorkrieg) ebenso eingesetzt wie Wirtschaftskrieg, psychologische und ideologische Kriegführung; in umfassender Form erstmals während des 2. Weltkrieges in Deutschland verwirklicht.

Trizone, die: Bezeichnung der westlichen Besatzungszonen Deutschlands nach dem Beitritt zur Bizone am 1. August 1948 französischer Besatzungszone.

Unternehmen Barbarossa, das: militärischer Deckname für den Angriff auf die UdSSR im Zweiten Weltkrieg.

Vasall, der (von kelto-lateinisch gwassus, vassus 'Knecht'): andere Bezeichnung für Lehnsmann.

VEB, der: volkseigener Betrieb in der DDR. Bezeichnung für die im staatlichen Eigentum befindlichen Betriebe im Industrie- und Dienstleistungssektor.

Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, der = erster Staatsvertrag: Vertrag zwischen der DDR und der BRD am 18. Mai 1990 unterzeichnet. Danach sollte die Wirtschaftsstruktur die Währung, die Eigentumsverhältnisse und das Sozialwesen der DDR denen der BRD angepasst werden.

Vertrag von Verdun: Teilungsvertrag zwischen Enkeln Karls des Großen; wurde im Jahre 843 geschlossen und beendete den Bruderkrieg. Nach diesem Vertrag erhielt Lothar I. Italien und ein Mittelreich, das von der Nordsee zwischen Schelde- und Wesermündung bis zur Rhône und den Ostalpen reichte und hier an das italienische Gebiet schloss. Karl der Kahle behielt den westlichen, Ludwig der Deutsche den östlichen Teil. Die Reichseinheit blieb nominell gewahrt.

Vertreibung, die: zwangsweiser Umsiedlung über die Grenzen eines Staatsgebiets hinweg. In Deutschland wird Vertreibung häufig mit der Ausweisung der deutschen Bevölkerung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aus der Tschechoslowakei und SO-Europa im Gefolge des Zweiten Weltkriegs 1945 bis 1947/48 assoziiert.

Vierjahresplan, das: von A. Hitler am 9. September 1936 verkündeter Wirtschaftsplan der nationalsozialistischen Reichsregierung, der die Intensivierung der Kriegsvorbereitung markierte und die Wirtschaft dem Primat der Politik unterstellte. Er diente dem Ziel, durch eine weitgehende Selbstversorgung mit Rohstoffen Deutschland vom Ausland unabhängig zu machen; zugleich sollte die deutsche Wirtschaft in vier Jahren „kriegsfähig", die Wehrmacht „einsatzfähig" sein.

Viermächteabkommen, das: offizielle Bezeichnung für das Berlinabkommen vom 3. Mai 1971 zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Es legte die politischen Bindungen und verkehrstechnischen Verbindungen von Berlin (West) zur Bundesrepublik Deutschland in ihren Grundzügen fest.

Völkerbund, der: Der Sitz des Völkerbundes befand sich in Genf in der Schweiz. Der Völkerbund bestand bis 1946 und wurde zum Vorläufer der Vereinten Nationen (UNO).

Völkerschlacht bei Leipzig, die: 16.-19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht des Herbstfeldzugs 1813 der Befreiungskriege; Sieg der verbündeten Armeen über Napoleon I. Mit etwa 600.000 beteiligten Soldaten war diese Schlacht die größte in der Geschichte Europas. Etwa 90.000 Menschen verloren ihr Leben. Die letzten deutschen Verbündeten von Napoleon wechselten noch während der Schlacht die Seiten. Damit löste sich der zusammenbrechende Rheinbund endgültig auf und die französische Besetzung von Teilen Deutschlands endete.

Völkerwanderung, die: Wanderungsbewegungen, die durch den Einbruch der Hunnen in Europa nach 370 ausgelöst wurden. Darunter versteht man die Züge der überwiegend germanischen Stämme und Völker nach Süd- und Westeuropa, die ihren Höhepunkt im 4.-6.Jahrhundert n.Chr. fanden und zu Reichsbildungen auf dem Boden des auseinander brechenden Römischen Reiches führten.

Volk-ohne-Raum-Theorie, die: Der Nationalsozialismus machte den Titel des Romans von H. Grimm „Volk ohne Raum" (1926) zum Schlagwort seiner Lebensraumpropaganda. Das deutsche Volk hatte kein Territorium, um den Lebensstandard zu heben (erhöhen). Man musste das Territorium nach Osten verbreiten.

Volksgerichtshof, der: 1936-1945, das Gericht erster und zugleich letzter Instanz, das die Aufgaben des Reichsgerichts bei Hoch- und Landesverrat und anderen politischen Delikten übernahm. Gegen seine Entscheidungen war kein Rechtsmittel zulässig. Seine Zuständigkeiten waren: Wehrkraftzersetzung, Wehrdienstentziehung, Spionage, Wirtschaftsstrafsachen, Angriffe auf Hitler u. a. Er verhängte über 5000 (vollstreckte) Todesurteile.

Volkskammer, die: bis 1990 die Volksvertretung der DDR (das Parlament); gewählt nach Einheitsliste auf 4 Jahre.

Volkssturm, der: das Volksaufgebot, mit dem Hitler Deutschland verteidigen lassen wollte. Im September 1944 wurden alle in der Heimat lebenden Männer zwischen 16 und 60 Jahren zur Verteidigung des „Heimatbodens" herangezogen.

Vormärz, der ist eine Bezeichnung des historischen Zeitabschnitts zwischen dem Ende des Wiener Kongresses 1815 bzw. der Julirevolution in Frankreich 1830 und der Märzrevolution von 1848/49 mit Gewichtung auf oppositionelle und revolutionäre Strömungen der Zeit in Deutschland. Für denselben Zeitabschnitt wird als Epochenbezeichnung in der Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte eher Biedermeier verwendet, in der politischen Geschichte ist auch der Begriff der Restauration gebräuchlich.

Vorparlament, das: Ende März 1848 traten über 500 Männer der revolutionären Bewegung aus allen Teilen Deutschlands in Frankfurt am Main zusammen. Dieses Vorparlament beschloss, dass das deutsche Volk in allgemeinen und gleichen Wahlen eine verfassungsgebende Nationalversammlung wählen sollte.

Währungsreform von 1948: am 20. Juni 1948 wurde die Reichsmark durch D-Mark ersetzt. Jeder Bewohner der Westzonen erhielt im Umtausch gegen 60 Reichsmark ein Kopfgeld von 40 Deutschen Mark, im August noch einmal 20 DM; Unternehmen erhielten für jeden beschäftigten Arbeitnehmer 60 DM. Löhne, Gehälter, Pensionen, Renten, Mieten und Pachtzinsen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt, die meisten anderen Verbindlichkeiten 10:1. Besonders hart getroffen waren die Besitzer von Sparguthaben, weil diese im Verhältnis 100:6,5 abgewertet wurden. Demgegenüber wurden die Besitzer von Sachwerten wie Grund und Boden, Häusern, Produktionsbetrieben, Lagern begünstigt. Die Währungsreform war damit auch eine Grundentscheidung über die künftige Vermögensverteilung.

Warschauer Vertrag, der: 1955-1991 bestehendes Militärbündnis kommunistischer Staaten Europas unter Führung der Sowjetunion. Er wurde am 14. Mai 1955 als Reaktion auf die Einbeziehung der Bundesrepublik Deutschland in die NATO abgeschlossen. Mitglieder: die UdSSR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR, Albanien (bis 1968).

Wehrmacht, die: ab 1935 bis 1945 amtliche Bezeichnung für die Streitkräfte des Deutschen Reichs.

Weimarer Koalition, die: bestand aus SPD, Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei. 1919 übernahmen sie die Regierungsverantwortung und hatten wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung. Die Koalition verfügte in der Nationalversammlung von 1919 über 75% der Sitze.

Weiße Rose, die: eine Widerstandsgruppe in München während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Juni 1942 wurde die Gruppe gegründet und bestand bis zum Februar 1943. Die Mitglieder der Weißen Rose verfassten, druckten und verteilten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl gelten als die profiliertesten Mitglieder der Widerstandsorganisation Weiße Rose

Wergeld, das (mhd. wer 'Mann'): heißt die Entschädigung, die der Sippe eines Erschlagenen von dem Täter oder dessen Sippe gezahlt werden musste. Sie wurde auf einem Thing festgesetzt.

Werwolf, der: nationalsozialistische Untergrundbewegung aus den Angehörigen der SS, des SD, der Gestapo sowie Jugendlichen, wurde im Januar/Februar 1945 gegründet; verübte in den bereits von alliierten Truppen besetzten deutschen Gebieten vereinzelte, militärisch bedeutungslose Sabotage- und Terrorakte.

Westfälische Friede, der: die Friedensverträge zur Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs zwischen dem Kaiser und den deutschen Reichsständen einerseits und Frankreich (Friede von Münster) sowie Schweden (Friede von Osnabrück) andererseits; abgeschlossen am 24. Oktober 1648 nach vierjährigen Verhandlungen von 148 Gesandten. Die Beschlüsse des Westfälischen Friedens betrafen territoriale Veränderungen, religiöse Beziehungen und den politischen Aufbau. Der Westfälische Friede trug zu der weiteren Zersplitterung und Abschwächung Deutschlands bei.

Westintegration, die: die Politik von K. Adenauer; Einbeziehung, Eingliederung der BRD in den Westen (Westeuropa und die USA).

Wilhelminisches Zeitalter: 1890 bis 1918; Wilhelm II. war der Repräsentant einer äußerlich glanzvollen Epoche der deutschen Geschichte, die die schweren inneren Spannungen überdeckte.

„Wir sind das Volk": der Slogan der regelmäßigen Demonstrationen vor allem in Leipzig während der friedlichen Revolution in der DDR. Mit diesem Slogan forderte man die Grundrechte.

„Wir sind ein Volk": der Slogan der Demonstrationen während der friedlichen Revolution in der DDR. Man befürwortete mit diesem Slogan die Einheit der beiden deutschen Staaten.

Wirtschaftswunder, das: Schlagwort für den überraschend schnellen Wiederaufstieg der westdeutschen Volkswirtschaft in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. L. Erhard gilt als „Vater des Wirtschaftswunders".

Wormser Edikt, das: auf dem Reichstag von Worms 1521 über M. Luther verhängtes Edikt. Es sprach die Reichsacht über ihn aus und verbot Lektüre und Verbreitung seiner Schriften.

Wormser Konkordat, das: 1122 in Worms zwischen Papst Calixt II. und Kaiser Heinrich V. geschlossener Vertrag zur Beilegung des Investiturstreits. Der Kaiser verzichtete auf die Investitur mit Ring und Stab zugunsten vom Papst, erhielt aber das Recht, in Deutschland die gewählten Bischöfe und Äbte vor ihrer Weihe mit den weltlichen Besitzungen ihrer Kirchen zu belehnen.

Youngplan, der [j^ŋ]: internationales Abkommen zur Regelung der deutschen Reparationsverpflichtungen nach dem Ersten Weltkrieg; von einer internationalen Sachverständigenkonferenz unter Vorsitz des amerikanischen Managers Young ausgearbeitet, löste 1930 den Dawesplan ab. Die deutschen Zahlungen sollten bis 1988 andauern, bis 1965/66 ansteigen, dann fallen. Der Youngplan war nur bis 1931, formal bis 1932 in Kraft.

Zehn-Punkte-Programm, das: Ende November 1989 von Helmut Kohl vorgelegtes Programm zur deutschen Einheit.

Zinsbauer, der: Höriger Bauer, der zur Leistung nur von Abgaben, nicht von Fronarbeit verpflichtet ist.

Zunft, die: So heißt der Zusammenschluss der Handwerker eines Gewerbes in den mittelalterlichen Städten. Schon seit dem 12. Jahrhundert musste jeder Handwerker einer Stadt seiner Zunft angehören. Häufig waren die Läden der Mitglieder einer Zunft in einer Straße (daher die Straßennamen wie Weber-, Bäckergasse usw.). Die Zunftordnungen sicherten den Meistern ihr wirtschaftliches Auskommen, überwachten ihre Leistungen und garantierten dem Kunden eine Mindestqualität der Erzeugnisse. Sozial bewirkten sie Armut und völlige Abhängigkeit der Gesellen. 1868 verloren die Zünfte im Norddeutschen Bund ihre Rechte durch Einführung der Gewerbefreiheit.

Zwei-plus-vier-Verhandlungen: am 5. Mai (Bonn), 22. Jini (Berlin) und 17. Juli 1990 (Paris) die Verhandlungen zwischen der DDR, der BRD, der UdSSR, den USA, Großbritannien und Frankreich über den politisch-militärischen Status des vereinigten Deutschlands und die Gewährleistung der internationalen Sicherheit angesichts der neuen Situation in Europa.

Zwei-plus-Vier-Vertrag, der = der „Vertrag über die abschließenden Regelungen in Bezug auf Deutschland": Er wurde am 12. September 1990 zur außenpolitischen Absicherung der deutschen Einheit zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges (Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion, USA) in Moskau geschlossen. Durch den Vertrag wird die volle Souveränität Deutschlands wiederhergestellt. Die Außengrenzen Deutschlands werden unter Verzicht auf deutsche Gebietsansprüche als endgültig betrachtet. Deutschland verzichtet auf den Besitz atomarer, chemischer und biologischer Waffen und begrenzt seine Truppenstärke auf 370000 Mann.

zweite Front, die: Bezeichnung für die im Zweiten Weltkrieg mit der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 begonnene Großoffensive angloamerikanischer Streitkräfte gegen die in Westeuropa stationierten Verbände der deutschen Wehrmacht.

zweiter Staatsvertrag: Vertrag über den Mechanismus und die Prozedur der Vereinigung der DDR und der BRD. Am 23. August 1990 beschloss die Volkskammer der DDR die Eingliederung der DDR in die BRD entsprechend dem Artikel 23 des Grundgesetzes der BRD zum 3. Oktober 1990. Am 31. August 1990 wurde der zweite Staatsvertrag von der DDR und der BRD unterzeichnet.

Berühmte deutsche Persönlichkeiten

Adenauer, Konrad (1876-1967): ein deutscher Politiker, Präsident des Parlamentarischen Rates, von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und von 1951 bis 1955 zugleich erster Bundesminister des Auswärtigen. Adenauer gehörte zu den Begründern der CDU. Er trat für die Politik der Europäischen Einigung und wirtschaftlich für das System der Sozialen Marktwirtschaft. Der „größte Deutsche" in der Meinungsumfrage 1990.

Agricola, Johannes (1494-1566): ein deutscher Reformator, Verbündeter Martin Luthers, Sprichwortsammler.

Arminius (um 17 v. Chr.-21 n.Chr.): ein Fürst der Cherusker, besiegte 9 n. Chr. im Teutoburger Wald das Römische Heer unter Varus.

August II. der Starke (1670-1733): Kurfürst von Sachsen und König von Polen, lieβ Dresden zu einer barocken Kulturmetropole ausbauen. Unter seiner Herrschaft begann der Bau des Zwingers, der Frauenkirche; er gründete Museen „Alte Meister" und „Grünes Gewölbe".

Bach, Johann Sebastian (1685-1750): einer der gröβten Komponisten aller Zeiten. Seine Musik bildet den abschlieβenden Höhepunkt der Musik des Barock. Er schrieb „Matthäus-Passion", "Johannes-Passion", 6 „Branderburgische Konzerte", „Weihnachtsoratorium", Suiten, Orgel- und Klaviermusik („Das wohltemperierte Klavier") u.a.

Bebel, Ferdinand August (1840-1913): ein deutscher Politiker, einer der Begründer der organisierten Arbeiterbewegung in Deutschland. Zusammen mit Wilhelm Liebknecht gründete er 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, aus der später die SPD hervorging. Seine Popularität spiegelte sich in den volkstümlichen Bezeichnungen „Kaiser Bebel", „Gegenkaiser" oder „Arbeiterkaiser" wider. Er schrieb wichtige theoretische Werke über den Sozialismus.

Beck, Ludwig (1880-1944): Generaloberst, 1933 Chef des Truppenamtes, 1935 Chef des Generalstabs des Heeres. Er bekämpfte Hitlers Kriegspläne und trat während der Sudetenkrise 1938 zurück. Im Zweiten Weltkrieg rückte er immer stärker in das Zentrum der liberal-konservativen Widerstandsbewegung und war maßgeblich an den Vorbereitungen zum Attentat vom Zwanzigsten Juli 1944 beteiligt.

Beethoven, Ludvig van (1770-1827): der erste groβe freischaffende Musiker. Sein Werk steht unter Einfluss Kants und des Deutschen Idealismus (Liebe zur Menschheit, Freiheitsidee). Seine Hauptwerke sind: 9 Sinfonien (die 9. mit Kantate über Schillers Ode „An die Freude"), Oper „Fidelio", 5 Klavierkonzerte 11 Ouvertüren.

Benz, Carl Friedrich (1844-1929) ein deutscher Ingenieur, Miterfinder des Kraftwagens.

Biermann, Wolf (geboren 1936): Der siebzehnjährige Wolf Biermann war 1953 in die DDR übergesiedelt. Ab 1960 wurde er als Liedermacher und Dichter bekannt. In seinen Texten übte er Kritik an den Verhältnissen in der DDR. Das kam dort nicht gut an: Er erhielt Auftrittsverbot und durfte nicht mehr veröffentlichen. Als Biermann sich im November 1976 zu einer Tournee in der Bundesrepublik aufhielt, beschloss das Politbüro der DDR seine Ausbürgerung. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass sich Biermanns Programm gegen die DDR und den Sozialismus richte.

Bismarck, Otto von (1815-1898): ein deutscher Politiker und Staatsmann. 1862 wurde er preuβischer Ministerpräsident. Er löste die Frage der deutschen Einheit mit „Blut und Eisen": 1864 begann Krieg zusammen mit Österreich gegen Dänemark um Schleswig-Holstein, 1866 Krieg gegen Österreich. 1867 wurde Bismarck Kanzler des Norddeutschen Bundes. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871 kam es zur Gründung des Deutschen Reiches 1871. Bismarck wurde sein Reichskanzler, für seine entschlossene Politik „eiserner Kanzler" genannt. 1878 Vorsitzender des Berliner Kongresses („ehrlicher Makler"). Innenpolitisch bekämpfte er den Katholizismus (‚Kulturkampf') und die Arbeiterbewegung (‚Sozialistengesetze'), schuf aber auch die Anfänge der Sozialgesetzgebung.

Brandt, Willy (Herbert Frahm) (1913-1992): ein deutscher Politiker. 1957-1966 war er Regierender Bürgermeister von Berlin, 1966-1969 Bundesauβenminister und Vizekanzler; 1969-1974 Bundeskanzler einer SPD-FDP Koalitionsregierung. 1971 erhielt er Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik (Verträge von Moskau und Warschau 1970, Viermächteabkommen über Berlin 1971). Besonderes Ansehen gewann er durch seinen Kniefall vor dem Mahnmal des Warschauer Gettos bei einem Staatsbesuch in Polen 1970.

Brüning, Heinrich (1885-1970): vom 30. März 1930 bis zum 30. Mai 1932 der zwölfte Reichskanzler der Weimarer Republik. Seine Sparmaßnahmen, durchgesetzt durch eine Vielzahl an Notverordnungen, trugen nicht zu seiner Beliebtheit bei. Der NSDAP gegenüber verhielt er sich schwankend. Mal bekämpfte er sie, mal versuchte er sie einzubinden. Brüning verlor schließlich den Rückhalt des Reichspräsidenten von Hindenburg und musste zurücktreten.

Chlodwig (466-511): ein fränkischer König aus dem Geschlecht der Merowinger, Begründer des Fränkischen Reichs. Um 496 trat er zum katholischen Christentum über und christianisierte germanische Völker.

Cranach, Lukas der Ältere (1472-1553): ein deutscher Maler und Grafiker, Hofmaler Friedrich des Weisen. Er war einer der bedeutendsten Maler der Reformation, schuf viele Bilder und Holzschnitte mit biblischem Inhalt, porträtierte Martin Luther, Philipp Melanchton.

Daimler, Gottlieb (1834-1900): ein deutscher Ingenieur, schuf 1883 den ersten Verbrennungsmotor; begründete die Daimler-Motoren-Gesellschaft (heute Daimler AG).

Duden, Konrad (1829-1911): ein deutscher Philologe; schuf das Rechtschreibebuch der deutschen Sprache, das nach ihm benannt wurde. Der Groβe Duden erschien erstmals 1880.

Dürer, Albrecht (1471-1528): der bedeutendste deutsche Maler und Grafiker. Die bedeutendsten Werke sind Holzschnitte „Apokalypse", "Marienleben", Kupferstiche „Ritter"; „Tod und Teufel"; „Melancholie"; „Tanz", (Selbst-) Bildnisse, Gemälde „Adam und Eva" u.a. Auβerdem schrieb er wichtige Bücher über die Gesetze der Perspektive und die Proportionen des menschlichen Körpers.

Ebert, Friedrich (1871-1925): ein deutscher Politiker. Während der Novemberrevolution 1918 war er Reichskanzler; 1919 - 1925 Reichspräsident der Weimarer Republik.

Engels, Friedrich (1820 - 1895), ein deutscher Politiker und Schriftsteller. Mit Marx begründete er den wissenschaftlichen Sozialismus. Er trug zur Ausbildung des ökonomischen und dialektischen Materialismus bei; schrieb mit Marx das „Kommunistische Manifest". 1849 emigrierte er nach England, onde er die soziale Lage der Arbeiter studierte und Marx unterstützte.

Erhardt, Ludwig (1897-1977): ein deutscher Politiker (CDU); Wirtschaftsminister 1949 - 63, seit 1957 Vizekanzler unter K. Adenauer, 1963-1967 dessen Nachfolger als Bundeskanzler. Er entwarf in den 1940er Jahren das Konzept der sozialen Marktwirtschaft, die er dann auch erfolgreich durchsetzte. Er gilt als „Vater" des deutschen Wirtschaftswunders.

Franz Ferdinand (1863-1914): österreich-ungarischer Thronfolger. Sein Mord am 26. Juni 1914 in Sarajewo wurde Anlass zum 1.Weltkrieg.

Franz II. (1768-1935): letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Als Reaktion auf die Krönung Napoleons I. zum Kaiser der Franzosen errichtete der römische Kaiser Franz II. das Kaisertum Österreich 1804 und wurde dessen Kaiser Franz I. 1806 legte er die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder.

Friedrich der Große=der Alte Fritz (1712-1786): König in Preußen von 1740 bis 1786, erhob sein Land zum Rang einer europäischen Macht. Er eroberte in 3 Kriegen und im 7jährigen Krieg das bisher zu Österreich gehörende Schlesien. Er gilt als Hauptvertreter des aufgeklärten Absolutismus sowie Reformer des preuβischen Beamtenstaates. Ihm gehört der Spruch „Der Fürst ist der erste Diener des Staates". Im Innern schaffte er die Folter ab, verkündete die allgemeine Glaubensfreiheit, trieb Siedlungspolitik, schützte die Bauern, ordnete die Rechtspflege. Friedrich baute das Schloss Sanssouci bei Potsdam, wo er als „Philosoph von Sanssouci" und als der klassische Vertreter des aufgeklärten Absolutismus einen Kreis von geistvollen Männern um sich sammelte; er war selbst Schriftsteller (in französischer Sprache) und Musiker (Flötenkonzerte).

Friedrich I. (1657-1713): König in Preußen von 1701 bis 1713, seit 1688 als Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg, krönte sich am 18. Januar 1701 in Königsberg zum „König in Preußen", förderte Kunst und Wissenschaften.

Friedrich I. Barbarossa [„Rotbart"] (1122-1190): ein deutscher Kaiser (1155) aus dem Geschlecht der Staufer. In seiner Regierungszeit stand das Ansehen des Heiligen Römischen Reichs sehr hoch. Friedrich I. kämpfte gegen das Papstum und den italienischen Städtebund. Auf dem 3. Kreuzzug ertrank er im Fluss Saleph (heute Göksu nehri) in Kleinasien. Nach der Volkssage schläft er im Kyffhäuser und wartet darauf, die Kaiserherrschaft wieder zu errichten.

Friedrich Wilhelm I. (1688-1740): ein preußischer König seit 1713, schuf das starke preußische Heer („Soldatenkönig"), ordnete die Staats- und Finanzverwaltung, erzog das Beamtentum zu unbedingter Pflichttreue; von den Schweden erwarb er 1720 das östliche Vorpommern. Unter ihm erhielt Preuβen seine einseitige militärische Ausrichtung. Er war der erste Monarch, der ständig eine Uniform trug

Friedrich Wilhelm = der Große Kurfürst (1620-1688): der Kurfürst von Brandenburg, erhielt 1648 Ostpommern und 1680 das Herzogtum Magdeburg, beseitigte 1657 die polnische Lehnsoberhoheit über Ostpreußen, besiegte 1675 die Schweden bei Fehrbellin, nahm die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten auf (Edikt von Potsdam, 1685); er schuf ein stehendes Heer, bereitete den Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Großmacht vor.

Gauck, Joachim (*1940): der elfte Präsident der BRD; ein evangelischer Theologe und Politiker, Pfarrer; 1989 Mitbegründer des „Neuen Forums", seit Juni 1990 Vorsitzender des Parlamentarischen Sonderausschusses zur Überprüfung der Auflösung des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der DDR, seit dem 3. Oktober 1990 war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Verwaltung der Stasi-Akten. Die von ihm geleitete Behörde (kurz Gauck-Behörde genannt) trägt die Verantwortung für die Aufbewahrung, Sicherung und Auswertung der Stasi-Unterlagen.

Goebbels, Joseph (1897-1945): ein nationalsozialistischer Politiker, 1933-1945 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, fanatisierte die Massen, organisierte den totalen Krieg.

Goethe, Johann Wolfgang von (1749 - 1832): ein deutscher Dichter; beteiligte sich an der Bewegung „Sturm und Drang" („Götz von Berlichingen"). Der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers" machte ihn berühmt. 1794-1805 pflegte er Freundschaft mit Schiller. Zusammen prägten sie die Weimarer Klassik. 1795-1796 erschien der Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre". Sein Hauptwerk ist die Tragödie „Faust" (1832). Als lyrisches Hauptwerk gilt „West-östlicher Diwan".

Göring, Hermann (1893-1946): ein nationalsozialistischer Politiker. Ab 1932 Reichstagspräsident, seit 1933 preuβischer Ministerpräsident, seit 1940 Reichsmarschall. Er gehörte zum engsten Führungskreis der Nationalsozialisten. In Nürnberg 1946 zum Tod verurteilt, beging er Selbstmord.

Grass, Günter (1927-2015): ein deutscher Schriftsteller und Grafiker, wurde durch zeitkritische, satirische Romane und Erzählungen bekannt. Zu seinen wichtigsten Romanen gehören „Die Blechtrommel", „Die Hundejahre".

Grimm, Jacob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859): deutsche Schriftsteller, Begründer der deutschen Philologie. Sie sammelten auf ihren Reisen durch Deutschland Märchen, die sie in der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen" herausgaben. Sie begründeten 1852 das „Deutsche Wörterbuch", das erst 1960 abgeschlossen wurde (32 Bände). Jacob Grimm gilt auβerdem als Begründer der deutschen Altertumskunde und einer historischen deutschen Grammatik.

Gutenberg, Johannes (um 1397-1468): Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern.

Habsburg: nach der Stammburg Habsburg an der Aare benanntes deutsches Herrschergeschlecht, zunächst Grafen im Elsaβ mit Besitzungen im Breisgau und in der Schweiz. Als erster Habsburger wurde 1273 Graf Rudolf von Habsburg deutscher König; er erwarb Österreich und die Steiermark. Die Habsburger Erbtochter Maria Theresia begründete durch ihre Heirat mit Franz I. von Lothringen das Haus Habsburger-Lothringen, das bis 1918 in Österreich-Ungarn regierte.

Händel, Georg Friedrich (1685-1759): ein deutscher Komponist, seit 1711 Hofkomponist in London. Sein Stil steht unter Einfluss des italienischen Barocks, festlich und prunkvoll. Er schrieb 42 Opern („Julius Cäsar", "Xerxes" u.a.), über 30 Oratorien, Kammermusik, Orgelkonzerte u.a.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1770-1831): ein deutscher Philosoph, Vollender des Deutschen Idealismus. In seinem Hauptwerk „Phänomenologie des Geistes" stellte er der materiellen Welt den absoluten Geist, den er mit Gott gleichsetzte, gegenüber und verstand die Weltgeschichte als fortschreitende Entfaltung des Geistes. Hegel hatte einen groβen Einfluss auf Philosophie und Staatstheorie.

Heine, Heinrich (1797-1856): ein deutscher Dichter und Publizist. Seine Lyrik vereinigt Romantik und Antiromantik, Gefühl und ironische Bewusstheit. Zu seinen Hauptwerken gehören „Buch der Lieder", „Deutschland. Ein Wintermärchen". Mit seinen „Reisebildern" begründete er feuilletonischen Stil in Deutschland.

Heinrich der Löwe (um 1129 - 1195): Herzog von Sachsen und Bayern. Mit der Unterstützung des Kaisers Friedrich I. Barbarossa stieg er zum mächtigsten Reichsfürsten auf. Als er dem Kaiser 1176 aber keine Hilfe leistete, wurde er abgesetzt und musste ins Exil gehen. Er ist Gründer Münchens und Lübecks und trieb die deutsche Siedlung im Osten stark voran.

Heinrich IV. (1050-1106): ein deutscher König und Kaiser. Er hatte Investiturstreit mit Papst Gregor VII., den er absetzen lieβ. Kirchenbann und Ultimatum der Fürsten zwangen Heinrich zum Bußgang nach Canossa, daher der Ausdruck „nach Canossa gehen" im Sinne „sich unterwerfen".

Heinrich von Sachsen = Heinrich I. (um 875-936): ein deutscher König seit 919, Sachsenherzog. Er legte viele Burgen an und schuf die Grundlage der deutschen Kaisermacht im Mittelalter. Er hat auf den Trümmern des Ostfrankenreiches einen relativ starken Staat aufgebaut und sicherte Ostgrenze gegen Böhmen, Wenden und Ungarn.

Himmler, Heinrich (1900-1945): ein nationalsozialistischer Politiker, Reichsführer der SS (seit 1929), Chef der deutschen Polizei (seit 1936), Reichsinnenminister (seit 1943), Oberbefehlshaber des Ersatzheers (seit 1944). Er organisierte den Terror der Gestapo, der Konzentrationslager und die Massentötung der Juden. Kurz nach Kriegsende beging er Selbstmord.

Hindenburg, Paul von (1847-1934): ein deutscher Generalfeldmarschall und Reichspräsident (1925). Er wurde im Ersten Weltkrieg (mit E. Ludendorff als Generalstabschef) Oberbefehlshaber der 8. Armee, schlug die Russen 1914 bei Tannenberg und an den Masurischen Seen. Er berief 1933 Hitler als Führer der stärksten Partei zum Reichskanzler.

Hitler, Adolf (1889-1945): ein nationalsozialistischer Politiker. Er war seit 1921 Vorsitzender der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). 1923 beteiligte er sich in München an einem Putsch, nach dessen Scheitern zu Festungshaft verurteilt. Seine politischen Ziele beschrieb er im Werk „Mein Kampf". Hindenburg berief ihn als Führer der stärksten Partei zum Reichskanzler. Mit dem Ermächtigungsgesetz errichtete Hitler eine totalitäre Diktatur. Nach Hindenburgs Tod übernahm er auch das Amt des Reichspräsidenten. Damit hatte er die gesamte Macht über den Staat und das Heer. Er verfolgte eine aggressive Auβenpolitik (Anschluss Österreichs1938); der Angriff auf Polen führte zum 2. Weltkrieg. 1944 wurde auf Hitler ein Attentat ausgeübt, der misslungen war. Am 30. April1945 beging er Selbstmord. Hitler ist Hauptverantwortlicher für die Schreckensherrschaft in Deutschland, für die Vernichtung der Juden, Entfesselung des 2. Weltkriegs und dessen Verbrechen.

Hohenzollern, ursprünglich Zollern -- ein deutsches Herrschergeschlecht, 1191 Burggrafen von Nürnberg, seit 1417 Markgrafen von Brandenburg, seit 1525 auch Herzöge von Preuβen. 1701 erreichte Friedrich I. von Brandenburg-Preuβen seine Erhebung zum König, seither waren Hohenzollern Könige von Preuβen, 1871 - 1918 auch deutsche Kaiser.

Honecker, Erich (1912-1994): ein deutscher Politiker, ab 1929 Mitglied der KPD. Seit 1971 der starke Mann der DDR (1971 Generalsekretär der SED, ab 1976 Vorsitzender des Staatrates der DDR), während des Umbruchs in der DDR 1989 gestürzt. Honecker war einer der Hauptverantwortlichen für den Bau der Berliner Mauer und den Schieβbefehl an der innendeutschen Grenze.

Joseph II. (1741-1790): Römischer Kaiser, der Sohn Maria Theresias, 1764 König, 1765 Kaiser und Mitregent seiner Mutter, 1780 Alleinherrscher. Er regierte rationalistisch und absolutistisch, gilt als einer der Hauptvertreter des aufgeklärten Absolutismus. In seiner Politik bestrebte er Bauernbefreiung, betrieb viele Staatsreformen.

Karl der Große (742-814): König des fränkischen Reiches (seit 768), Herrscher des ganzen Abendlandes: durch viele Kriegszüge erweiterte er das Gebiet seiner Herrschaft in Sachsen, Österreich, Oberitalien und Spanien. 800 wurde er von Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. He war einer der gröβten europäischen Herrscher und begründete die Einheit des christlichen Abendlandes. Er zentralisierte die Reichsgewalt und förderte Kunst und Wissenschaft.

Karl IV. (1316-1378): Römischer Kaiser; deutscher König (seit 1346) und (seit 1355) Kaiser; erbte das Königreich Böhmen, gründete 1348 in Prag die 1. deutsche Universität, erlieβ 1356 ein Reichsgesetz, die Goldene Bulle, das die deutsche Königswahl durch die sieben Kurfürste endgültig festsetzte; erweiterte seine Hausmacht.

Karl Martell (= Hammer) (714-741): karolingischer Hausmeier. 732 besiegte er Araber bei Tours und Poitiers.

Kohl, Helmut (*1930): ein deutscher Politiker. Seit 1973 Vorsitzender der CDU, seit 1982 Bundeskanzler, durch die Wahlen von 1983, 1987, 1990 und 1994 bestätigt. Mit starkem Engagement setzte er sich für die Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses ein. Unter ihm gelang die Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten.

Lassalle, Ferdinand (1825-1864) [la`sal]: ein deutscher Schriftsteller und sozialistischer Politiker. Als Hauptinitiator und Präsident der ersten sozialdemokratischen Parteiorganisation im deutschen Sprachraum, des 1863 gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), zählt er zu den Gründervätern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Liebknecht, Karl (1871-1919): ein deutscher Politiker, begründete mit R. Luxemburg den Spartakusbund, während des Berliner kommunistischen Januaraufstandes mit ihr erschossen.

Ludendorff, Erich (1865-1937): ein deutscher General; im 1. Weltkrieg Generalstabchef Hindenburgs. 1923 beteiligte er sich am Hitlerputsch in München. Er bekämpfte Juden, Christen und Freimauer. Er gilt als Wegbereiter des Nationalsozialismus.

Luther, Martin (1483-1546): ein deutscher Theologe, Kirchenreformator. Im Studium der Heiligen Schrift kam er zu seiner Lehre, dass die Rechtfertigung des Menschen vor Gott allein durch den Glauben geschieht. 1517 schrieb er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel, womit die Reformation in Deutschland begann. Vor den Verfolgungen der Katholischen Kirche versteckte ihn sein Kurfürst Friedrich der Weise auf der Wartburg. Dort übersetzte er das Neue Testament, später die gesamte Heilige Schrift ins Deutsche. Dadurch beeinflusste er stark die Entwicklung der neuen deutschen Hochsprache.

Luxemburg, Rosa (1870-1919): eine deutsche Politikerin, begründete mit K. Liebknecht 1917 den Spartakusbund zum Kampf gegen den Krieg, 1918 die KPD. 1919 nahm sie an einem Aufstand des Spartakusbundes in Berlin teil, nach dessen Scheitern erschossen.

Mann, Heinrich (1871-1950): ein deutscher Dichter; emigrierte in der Zeit des Nazi-Regimes nach den USA. In seinen Romanen schildert er satirisch den Verfall der bürgerlichen Gesellschaft („Professor Unrat", „Der Untertan" u.a.). Die bedeutendsten Werke sind seine historischen Romane „Die Jugend des Königs Henri Quatre", "Die Vollendung des Königs Henri Quatre".

Mann, Thomas (1875-1955): ein deutscher Dichter, emigrierte in der Zeit des Nazi-Regimes in die Schweiz und die USA. Einen groβen Erfolg hatten: sein Familienroman „Die Buddenbrooks", Bildungsroman „Der Zauberberg". Berühmt sind u.a. seine Werke „Joseph und seine Brüder"; „Doktor Faustus": eine „deutsche Tragödie". 1929 erhielt er Nobelpreis, 1949 Gothepreis der BRD und der DDR.

Maria Theresia (1717 - 1780) -- eine österreichische Kaiserin (seit 1740). Ihre Reformen begründeten den modernen gesamten österreichischen Staat. Erfolgreich kämpfte sie gegen Türken. Seit 1765 wurde ihr Sohn Joseph II. Kaiser und Mitregent in Österreich.

Marx, Karl (1818-1883): ein deutscher Philosoph und Publizist. Er war Redakteur der „Rheinischen Zeitung" (1842), Leiter seiner „Neuen Rheinischen Zeitung" (1848). Er arbeitete mit F. Engels zusammen, ist Mitverfasser des Kommunistischen Manifests. 1849 war er aus Deutschland ausgewiesen und lebte in London. Dort schrieb er „Das Kapital". Marx begründete den historischen Materialismus und den wissenschaftlichen Sozialismus.

Melanchton (Schwartzerdt), Philipp (1497-1560): ein deutscher lutherischer Theologe und Humanist, Mitarbeiter Luthers, nach seinem Tod Führer der Lutheraner. Er schrieb die lutherischen Grundschriften „Augsburgische Konfession", "Apologie und Loci communes". Als Humanist trug er zur Entwicklung evangelischer Universitäten und höherer Schulen bei. Er schuf evangelische Gelehrtenschulen, daher bekam er den Ehrentitel „Praeceptor Germaniae" (lat. = Lehrer Deutschlands).

Merkel, Angela (*1954): eine deutsche Politikerin (CDU); 1991 bis 1994 Bundesministerin für Frauen und Jugend; danach bis 1998 Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 1998 bis 2000 CDU-Generalsekretärin, seit 2000 Parteivorsitzende.

Müntzer, Thomas (1489-1525): ein deutscher Bauernführer im Bauernaufstand 1524-1525, nach der Niederlage hingerichtet. Erst Freund, dann Gegner Luthers.

Otto I. der Groβe (912-983): ein deutscher König, zum Kaiser wurde er 962 in Rom gekrönt. Seither blieb das Kaisertum an das deutsche Königstum gebunden und die Reichspolitik für Jahrhunderte nach Italien ausgerichtet. Er brach die Macht der Stammesherzöge, stützte sich auf die Bischöfe (Gründung neuer Bistümer), besiegte die Ungarn 955 und dehnte die Ostgrenze gegen die Slawen aus.

Pippin der Jüngere (um 715-768): fränkischer Hausmeier und (als Pippin I.) König aus dem Hause der Karolinger (seit 751), schenkte dem Papst seine langobardischen Eroberungen (Pippinsche Schenkung, die Grundlage des Kirchenstaats); Vater Karls des Großen.

Ribbentrop, Joachim von (1893-1946): ein nationalsozialistischer Politiker. 1938-1945 war er Auβenminister; mitverantwortlich für die nationalsozialistische Kriegspolitik. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wurde er zum Tod verurteilt und hingerichtet.

Schiller, Friedrich von (1759-1805): ein deutscher Dichter. 1794 beginnt sein Freundschaftsbund mit Goethe, seit 1799 lebt und schafft er in Weimar. Sein Werk konstruiert neben dem Goethes die deutsche Klassik. Im Gegensatz zum „naiven" Dichter Goethe hielt er sich für einen „sentimentalischen" Dichter. Sein Schaffen steht unter Einfluss der idealistischen Philosophie Kants. Zentrale Ideen seines Schaffens sind Freiheit, Humanität, Menschenwürde. Seine Hauptwerke sind: „Die Räuber", „Kabale und Liebe", „Don Carlos", Trilogie „Wallenstein", „Maria Stuart", „Die Jungfrau von Orléans", nationales Volksspiel „Wilhelm Tell"; Balladen.

Schmidt, Helmut (1918-015): ein deutscher Politiker, Bundeskanzler der BRD von 1974-1982. Er erwarb sich hohes Ansehen als Wirtschaftsfachmann.

Scholl, Geschwister Hans (1918-1943) und Sophie (1921-1943): führende Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose" an der Universität München. Sie wurden in der Universität München am 18. Februar 1943 bei einer Flugblattverteilung verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 22. Februar 1943 hingerichtet.

Schröder, Gerhardt (*1944): ein deutscher Politiker (SPD). Er war von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Vorsitzender der SPD.

Stauffenberg, Claus Schenk von (1907-1944): deutscher Offizier und Widerstandskämpfer. Er war seit 1944 Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheers. Stauffenberg legte am 20. Juni 1944 im Hauptquartier Hitlers bei Rastenburg eine Bombe und löste mit seinen Mitverschworenen in Berlin einen Putsch gegen das nationalsozialistische Regierungssystem aus. Er wurde von einem Standgericht zum Tod verurteilt.

Stein, Karl Reichsfreiherr (1757-1831): preußischer Staatsmann, wurde 1807 leitender Minister in Preußen, das er durch innere Reformen erneuerte: Aufhebung der bäuerlichen Erbuntertänigkeit, Städteordnung, einheitliche Verwaltung. Als Gegner Napoleons I. musste er Ende 1808 und (nach erneuter Amtsführung) 1813 zurücktreten. 1812 war er Berater des russischen Zaren Alexander I.

Stresemann, Gustav (1878-1929): ein deutscher Politiker. Als Reichskanzler (1923) und Auβenminister (1923-1929) prägte er die Auβenpolitik der Weimarer Republik. Er bemühte sich durch Verhandlungen mit den Siegermächten den Versailler Vertrag zu revidieren. Dabei hatte er groβen Erfolg. Er beendete den passiven Widerstand im Ruhrkampf, suchte Verständigung mit Frankreich. Stresemann schuf durch Annahme des Dawesplans 1924 und durch die Locarno-Verträge 1925 die Basis einer Verständigungspolitik. Er erreichte den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund 1926 und die vorzeitige Räumung des Rheinlands 1930. Im Jahre 1926 erhielt er Friedensnobelpreis.

Thälmann, Ernst (1886-1944): ein deutscher Politiker. Seit 1925 war er 1. Vorsitzender der KPD; 1933 verhaftet, 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

Ulbricht, Walter (1893-1973): ein deutscher Politiker. Als Mitbegründer der KPD war er 1938 - 1945 im Exil in der Sowjetunion. 1950-1971 Generalsekretär der SED und seit 1960 Staatsoberhaupt der DDR. Er beteiligte sich am Aufbau des Herrschaftssystems der SED in der DDR.

Walter von der Vogelweide (um 1170-1227): ein mittelalterlicher Lyriker. Sein Werk ist ein Höhepunkt des deutschen Minnesangs.

Wilhelm I. (1797-1888): seit 1861 König von Preuβen; machte 1863 Bismarck zum Ministerpräsidenten. 1867 wurde er Präsident des Norddeutschen Bundes, 1871 Kaiser des neuen Deutschen Reiches. Politisch und kirchlich war er streng konservativ ausgerichtet.

Wilhelm II. (1859-1941): seit 1888 König von Preuβen und deutscher Kaiser. Er neigte zu persönlichem Regiment und war sehr beeinflussbar. 1890 entlieβ er Bismarck. 1918 ging er in die Niederlande und dankte als deutscher Kaiser ab.

Wolfram von Eschenbach (um 1170-1210): ein deutscher Dichter, höfischer Epiker. Sein bekanntestes Werk ist „Parzival".